Jenseits

B.W. Barasch zeigt den Körper als die reine Haut, der sich der Mensch erwehren muss, sollte er nach dem «Lebenden Körper» suchen

Tanz - Logo

Alfred Döblin schrieb dem Ballett in «Die Tänzerin und der Leib» (1910) eine brutale Deformation des Körpers und damit der Seele zu. Ernst Jünger feierte umgekehrt in «Über den Schmerz» (1934) die Zurichtung des Körpers als das Ziel jeder Seele. Und Rainer Maria Rilke betrachtete den Tanz als eine Verwandlung, in der das Sichtbare endlich unsichtbar und geistig werde. Bei allen drei ist der Körper nur noch ein Werkzeug, ein steuerbares Objekt, ein Fetisch der Schönheit und Selbstbeherrschung.

Benjamin Bühler untersucht diese Lust an der Eroberung des Körpers durch den «Geist» in seiner Dissertation «Lebende Körper» (www.koenigshausen-neumann.de, Würzburg 2004) und entdeckt dabei den Weg zu einer entsetzlichen Körperpolitik. Denn gilt der Körper bloß noch als eine Bedeckung des Geistes, ist seine Vergänglichkeit folglich auch nur eine Maske für die unsterbliche Seele. Das sagt auch der Künstler B. W. Barasch: Ist der Körper reduzierbar auf seine Haut als Hülle und Projektionsfläche des Geistes, kann sich ein ganzes Jahrhundert am Körper mit zerstörerischer Wut austoben – abermillionen geopferte Körper, die ganze Todesproduktion eroberte die Würde des Körpers und entwickelte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2005
Rubrik: Jenseits, Seite 78
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Canadians in Europe

The list of international applicants was impressive and it is to Wayne Eagling’s credit that he has now secured this important post: becoming the new leader of English National Ballet, Britain’s largest touring company. His tenure at the Dutch National Ballet has given him the experience of running a major national company and may have proved the deciding factor in...

Isabelle Van Grimde

Why do we dance why do we dance why do we dance – why do we make our very fragile, inadequate bodies dance, our beautiful, intelligent, post-human bodies dance? Post-human or is it trans-human?  I mean: Our decoded bodies choreographed within a context or without a context, yielding to the scrutiny of the spectator’s gaze … For freedom?
In the days of the decoded...

Surreale Wucht

«Lawn» = Rasen. Diese Übersetzung ist geläufig. Dass dieser Begriff aber auch einen  Zustand benennt, der den Mangel an Sonne und damit den Rückzug von der Realität in unlogische Denkmuster und Illusionen von offenen Räumen beschreibt, das lernen wir in «Lawn» von drei gestandenen Australiern. Sie haben dieses innere Drama offenbar selbst erlitten, als sie Mitte...