Steffen Fuchs: «Dornröschen»
Mut hatten die Nordhäuser, als sie, Lebensmittelkarten und Kohlrübenwinter zum Trotz, 1949 ihr kriegszerstörtes Theater mit «Figaros Hochzeit» wiedereröffneten. Kunst als Überlebensmittel, würdigt die Oberbürgermeisterin die Tat und ehrt genau 60 Jahre später zwei betagte Aktivisten jener Ära. Als Steineklopfer und Kostümbildner hatten sie Anteil am denkwürdigen Neubeginn. Der Mut ist den Theaterleuten geblieben, denn «Dornröschen» hier im Harz mit nur zwölf Tänzern einzustudieren, ist schon fast ein Piratenakt.
Tschaikowskys opulentestes Ballett in Schrumpfversion, doch der Spaß rechtfertigt die Rosskur. Gastchoreograf Steffen Fuchs, letzte Spielzeit mit «Romeo und Julia» unter gleichen Konditionen erfolgreich, hat sich eine skurrile Story zurechtgelegt, die oft wie eine Persiflage wirkt und bei Theaterneulingen schmunzelnd Berührungsängste mit Klassikern abbauen hilft. Weißschnörklige Bögen markieren den Saal des verarmten Königspaars, dem im gemeinsamen Tanz ein Kind geboren wird. Mit güldenem Schlüssel holt der Vater es seiner Gattin aus dem Bauch; doppelgesichtige Blumenfeen überreichen Blumen und tricksen sich so selbst von sechs auf zwölf. Von oben schwebt Irene López Ros ...
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