St. Gallen: Kinsun Chan «Coal, ashes and light»

Tanz - Logo

Der neue Tanzchef in St. Gallen hat es mit den Räumen. Das haben bekanntlich alle Choreografen, doch Kinsun Chan, der neben klassischem Tanz bildende Kunst und Grafikdesign studiert hat, gestaltet seine Räume immer auch mit Objekten und Wänden, die er ständig verschieben lässt, auf dass sie den Blick auf den Tanz nur stückweise freigeben. Das zeigt er nun in St. Gallen in seinem ersten Tanzstück für das Große Haus, dem dreiteiligen Abend «Coal, Ashes and Light».

Im ersten Teil «Coal» baumeln Füße unter schwarzen Stoffbahnen, und schwarze Bahnen verdecken einen Teil des starken Männerensembles, sodass wir erst nicht richtig erkennen können, wie viele eigentlich tanzen. Im dritten Teil «Light» dreht sich ein halber elliptischer Zylinder und schließt die Pianistin Tiffany Butt wie auch einen Teil der Tänzerinnen und Tänzer weg. Im zweiten Teil «Ashes» verstecken sich die Tänzer in einem langen Rock, grau wie Stein und (fast) so dehnbar wie die ihm innenwohnenden Körper. Gemeinsam bilden sie erst eine Art antike Säule und gehen dann mit langen Stangen in Wellen. Bis sie diese auf eine Tänzerin richten – und aus dem Schönen blitzt plötzlich das Schreckliche auf, einen Augenblick nur, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2020
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Lilo Weber

Weitere Beiträge
Braunschweig: Gregor Zöllig «Vom Sinn der Sinnlichkeit»

Waschmaschine, Mikrowelle, Trockner, Fernseher, Computer: angeschaltet, können sich ihre Geräusche summieren, und im Staatstheater Braunschweig geschieht genau das. Mit der Zeit schwillt der kollektive Klang der vorgestellten Gerätschaften ohrenbetäubend an; das Rattern und Rauschen will kein Ende nehmen. Kein Wunder, dass sich die neun Tänzer und Tänzerinnen...

Anfang und Ende

Beethoven hat gerade mal zwei Stücke komponiert, die explizit nach Tanz verlangen: ein «Ritterballett» und «Die Geschöpfe des Prometheus». Man könnte noch kleinere Stücke dazu rechnen. Auffallend ist, dass sich kaum eine Interpretation dauerhaft auf der Bühne hat behaupten können, am ehesten noch die «Siebte Sinfonie» in der Version von Uwe Scholz. Nicht einmal...

Göteborg: Wang/Ramirez, Yoann Bourgeois: «Beyond»

Das gibt’s nur in Göteborg: 39 Tänzer und kein Chefchoreograf. 39 Individuen, die mehrmals im Jahr mit den Handschriften von Gästen konfrontiert werden. 39 Künstler, geborgen in einem Opernhaus, das dem Breakdance-Duo Honji Wang und Sébastien Ramirez aus Perpignan alle Mittel ebenso zur Verfügung stellt wie dem innovativen Choreografen Yoann Bourgeois aus Grenoble....