St. Gallen: Kinsun Chan «Coal, ashes and light»
Der neue Tanzchef in St. Gallen hat es mit den Räumen. Das haben bekanntlich alle Choreografen, doch Kinsun Chan, der neben klassischem Tanz bildende Kunst und Grafikdesign studiert hat, gestaltet seine Räume immer auch mit Objekten und Wänden, die er ständig verschieben lässt, auf dass sie den Blick auf den Tanz nur stückweise freigeben. Das zeigt er nun in St. Gallen in seinem ersten Tanzstück für das Große Haus, dem dreiteiligen Abend «Coal, Ashes and Light».
Im ersten Teil «Coal» baumeln Füße unter schwarzen Stoffbahnen, und schwarze Bahnen verdecken einen Teil des starken Männerensembles, sodass wir erst nicht richtig erkennen können, wie viele eigentlich tanzen. Im dritten Teil «Light» dreht sich ein halber elliptischer Zylinder und schließt die Pianistin Tiffany Butt wie auch einen Teil der Tänzerinnen und Tänzer weg. Im zweiten Teil «Ashes» verstecken sich die Tänzer in einem langen Rock, grau wie Stein und (fast) so dehnbar wie die ihm innenwohnenden Körper. Gemeinsam bilden sie erst eine Art antike Säule und gehen dann mit langen Stangen in Wellen. Bis sie diese auf eine Tänzerin richten – und aus dem Schönen blitzt plötzlich das Schreckliche auf, einen Augenblick nur, ...
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Tanz April 2020
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Lilo Weber
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