Spotlight: Aina Alegre
Der Begriff des «homme-orchestre» ist im Französischen weit verbreitet. Er bezeichnet eine Person, die vielerlei Instrumente spielt, und zwar gleichzeitig. Im übertragenen Sinn – jemand, der oder die multifunktional reüssiert. Und so kann man Aina Alegre nur als «femme-orchestre» bezeichnen. Die Katalanin ist in gleichem Maße Tänzerin, Interpretin ihrer eigenen Solostücke und seit 2023 Direktorin des Centre Chorégraphique National von Grenoble. Kodirektorin, muss man offiziell einschränken. Die Idee, im Tandem mit dem Tänzer Yannick Hugron zu kandidieren, war ihre eigene.
Zwar hätte die Powerfrau mit der Kraft, die sie auf der Bühne unter Beweis stellt, die Aufgabe auch allein stemmen können. Aber Alegre hat ihre Ideale – Arbeit weitgehend ohne Hierarchie zwischen Direktion und Angestellten. Das Modell bewährt sich, auch hinsichtlich der Frage, wie man den großen Tanzinstitutionen neue Frische zuführen kann. Alegre punktete, weil sie das Tanzschaffen als kollektives Ereignis begreift und mit der Bevölkerung arbeitet.
Ihr «Parades & Désobéissances» («Paraden und Ungehorsam») ist ein partizipatives Großspektakel für eine Hundertschaft von Amateurtänzer*innen. Selbst tanzt sie u. a. ...
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Tanz November 2026
Rubrik: Side steps, Seite 21
von Thomas Hahn
«Le Mur ou la peau» («Die Mauer oder die Haut») eröffnet die Saison an der Opéra national du Rhin auf meisterhafte Weise. In Zusammenarbeit mit dem Festival «Musica» entstand eine choreografische und musikalische Aufführung für zwei Klaviere und zwölf Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie, uraufgeführt in Mulhouse.
Weil sich unter der durchlässigen Grenze der Haut...
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In der Collezione Maramotti hängt ein riesiges Boot über unseren Köpfen. Claudio Parmiggianis Installation «Caspar David Friedrich» (1989) bildet den Rahmen für Crystal Pites erste außerhalb des Theaterraums entwickelte Choreografie: «Alchimia», performt in Reggio Emilia von Tänzer*innen des Nederlands Dans Theater 1 und Pites eigenem Ensemble, Kidd Pivot....
