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Eine Spielzeit kann, wie beim Fußball, entweder 90 Minuten oder, wie im Theater, elf Monate dauern. Im Theater steht das Ergebnis schon fest, bevor sich der Vorhang hebt. Bereits im letzten März gingen die  Theater in die Druckerei. Jetzt sind sie da, ihre Saisonbücher 2015/16. Groß, knallbunt, sperrig. Sie zeigen, wie sehr das Theater gestern schon eine Ahnung davon haben musste, was es morgen präsentiert. Es sind Kataloge voller Produkte, die das Theater selbst noch nicht kennt.

Damit möge das Publikum nun zur Kasse gehen, auch wenn im Warenkorb nichts weiter liegt als ein Stücktitel, ein Choreografen-Name, ein paar blumige Worte. Niemand sonst, der einen Katalog druckt, würde sich so etwas trauen.

Die Deutsche Oper am Rhein wirbt mit grellbuntem Gewölk auf dem Titel. Gleich dahinter lässt sich am teuer gemachten Kostenlos-Konvolut der Sitzplan für das Opernhaus herausklappen. Unmissverständlich sagt er: Reserviere dir einen Platz, bevor es jemand anders tut. Und nur da läuft der Hause lang: zum Publikum, zum Publikum. Es will abgeholt werden, wo es gerade steht. Manchen gelingt dies mit geradezu hellseherischen Fähigkeiten, etwa der Deutschen Oper Berlin samt Staatsballett. Dort ...

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Tanz Oktober 2015
Rubrik: editorial, Seite 1
von Arnd Wesemann

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