Spiegelbilder
Gesellschaftstanz – ein alter Zopf?
Von wegen! Wir stimmen Sie mit einem klassischen Theaterausflug auf die neue Serie ein. Und in den nächsten Monaten besuchen wir Ballsäle, Tanzschulen und Turniere, wir unterhalten uns mit Wertungsrichtern und Lehrerdynastien – und erzählen vom queeren Amüsement beim Tanztee.
Wenn Guy Vandromme in Raimund Hoghes jüngster Produktion auf dem linkerhand platzierten Konzertflügel die ersten Akkorde von Ravels titelgebendem «La Valse» anschlägt, werden durch großzügige Pedalisierungen in den tiefen Registern und perlende Arpeggios in den hohen Lagen fulminante Orchesterklänge beschworen. Währenddessen liegt Hoghe rechts hinten auf der Bühne, das Gesicht ab- und den Rücken dem Publikum zugewandt: Verloren in der Weite des Raums, stumm und reglos, scheinbar leblos kontrastiert sein Körper die Klangmassen, die eine sich im Walzertaumel verlierende Tanzgesellschaft suggerieren. Trotz oder gerade wegen dieser Anmutung lehnte einst Serge Diaghilew, der die Komposition für seine Ballets russes in Auftrag gegeben hatte, eine (herkömmliche) tänzerische Umsetzung ab. Seiner Meinung nach hatte Ravel nicht die Vorlage für ein Ballett, sondern allein dessen – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2017
Rubrik: Serie: Gesellschaftstanz, Seite 64
von Stephanie Schroedter
Spezialisten sagen, dass Shakespeares «Titus Andronicus» noch kein «echter» Shakespeare ist. Weil am Ende die Bühne von Leichen übersät ist, aber die Mörder nicht an ihren Taten zerbrechen – wie sonst bei Shakespeare. Hier nicht. Hier wird nur gemordet.
Genau dieser Exzess interessiert den Choreografen Tarek Assam, der ein «Machtspiel» mit deutlichen...
Márcia Haydée, als Erstes ein Stichwort: Stuttgart. Was verbindet sich für Sie mit der Stadt? Stuttgart steht stellvertretend für meine Heimat, mein Leben, meine Karriere. Hier hat sich alles ereignet. Hier habe ich eine tolle Zeit erlebt. Jedes Mal, wenn ich hierher zurückkehre, spüre ich, wie ich mich verändere. Meine Energie bekommt einen Schub, sobald ich auch...
Der Körper ist das bevorzugte Tool der Selbstoptimierung, quasi ein letztes Refugium dessen, was sich noch wirklich nach dem eigenen Willen formen lässt. Der artikuliert sich hier in Muskelmasse-Modulationen und Körper-Modifikationen. Optimierung und Ästhetisierung, Leistung und Stilisierung: Bodybuilding ist eine Körperkunst, die konsequent die Ausformulierung des...
