Soap sur la pointe
Die Zeit ist ein sonderbar Ding, aber wenn man sie so plakativ bebildert wie im Münchner Nationaltheater, wirkt sie bloß banal. Sherelle Charge, auf dem Programmzettel als «berühmte Schauspielerin» ausgewiesen, treibt ihre Angst vor dem Alter auf die Spitze, und während sie sich sur la pointe nicht die geringste Unsicherheit gestattet, fällt Graeme Murphy nichts Besseres ein, als der vermeintlichen Marschallin einen Zerrspiegel vorzuhalten: als ob der Tanz als vergänglichste Kunst nicht genügte, das Zeitliche zu segnen.
Doch wo das Wort fehlt, muss auch ein Choreograf vom Schlage Murphys passen – und so pendeln die Uhren, als Video-Projektion eingespielt, und nicht die Beine der Tänzer.
So gesehen, ist das Ballett «Die silberne Rose» schon vom ersten Augenblick an zum Scheitern verurteilt. Anstatt den «Rosenkavalier» dem Tanz anzuverwandeln, übt der Choreograf erst einmal den Verzicht: auf die Musik von Richard Strauss und den Text von Hugo von Hofmannsthal. Beide sind nicht verfügbar. Doch der Rest ist nicht etwa Schweigen, sondern eine Soap-Opera, die Murphy aus optischen Gründen in die Entstehungszeit des Werks versetzt. Zentraler Ort des Geschehens ist zunächst einmal ein ...
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Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies sei ein Beweis für die mühelose Erhöhung des Renteneintrittsalters. Einer der Tänzer, Horst Dittmann sagt ja auch: «Ich musste neu beginnen, das habe ich getan.» Aber: «Bei einer gefälligen Inszenierung, die uns bloß noch mal im Rampenlicht glänzen lassen will, hätte ich niemals mitgemacht.» Mit seinen 63 Jahren ist er...
Auch die Welt der Kunst hat lernen müssen, mit dem Druck ökonomischer Effizienz und den Kriterien der Profiterwirtschaftung zurechtzukommen. Der Künstler ist risikobereit wie ein Unternehmer oder Freiberufler. Eigentum, Profit und Entlohnung basieren auf der Eigeninitiative, mit der der Künstler als eigenständiger Schöpfer auftritt. Zugleich rückt die ausgeprägte...
He is wearing just sneakers, a wig and a hat. So revealing is this tour de force solo that by the end, he may as well have stripped off his skin too. In this nearly nude state, to blasting pop music, Gutierrez proceeds to haul onstage and hook up a TV, VCR, and sound box. (Just the fact that he does this quickly in full view of a rapt audience is pretty impressive...
