So wird ein Schuh draus

Spitzenschuhe müssen Teil des eigenen Körpers werden. Darum gewinnt man sie aus einem Teig, der stundenlang gehämmert, erweicht und wieder gehärtet wird. Hartmut Regitz hat sich nach der Backmischung erkundigt.

Tanz - Logo

«Wenn Spitzenschuhe von Experten benutzt werden, sind sie ein Werkzeug des Ausdrucks», sagt William Forsythe. Sein Düsseldorfer Kollege Martin Schläpfer pflichtet ihm bei: «Der Gebrauch des Spitzenschuhs im Kunsttanz ist künstlerische Wahrheit – keine Wahl, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Bedürfnis, sich so und nicht anders ausdrücken zu wollen. Spitzenschuh oder eben nicht», sagt der Direktor des Ballett am Rhein, «ist keine Frage der Vorliebe, einer ästhetischen Präferenz.

Die Entscheidung wird immer aus einer dramaturgischen Fragestellung heraus getroffen: Was will man wie sagen?»

Schläpfer spricht in seinem Statement als ein zeitgenössischer Choreograf, «nicht als Repräsentant einer klassisch-romantischen Ballett-Tradition», die ohne den Spitzenschuh nicht zu denken ist. Dieser Schuh allein macht das «Unmögliche» eines Stücks wie «La Sylphide», «Giselle», «Schwanensee» oder «La Bayadère» möglich, hebt den Tanz auf eine Ebene, die ihm ansonsten unerreichbar ist – und gibt ihm etwas Metaphorisches. Das Unvergängliche, hier zumindest wird’s Ereignis. Aller Erdenschwere enthoben, scheint durch den Schuh der Tanz zu transzendieren.

Wenn ein Choreograf heutzutage zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2009
Rubrik: Praxis, Seite 58
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ausstellungen

Yvonne Georgi, 1903-1975, der Ausdruckstänzerin mit bewegter, kosmopolitischer Biografie und bekanntesten Schülerin Mary Wigmans, ist eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover gewidmet. Zu sehen sind zum größten Teil unveröffentlichte Fotos, Theaterprogramme, Rezensionen, persönliche Zeugnisse und Kostüme aus den 1930er Jahren u. a. aus dem Nachlass der...

Weltflucht ins Ironische Idyll

Eigentlich ist Arvo Pärt was für die «Spirituellen». Er suche nach «dem Einen», hat der Mystiker unter den Komponisten erklärt, und er wollte das Paradox: Mit Musik Stille schaffen. In seiner Komposition «Tabula rasa» hat er das Klangmaterial auf ein Minimum reduziert, die Klänge suchen das Nichts, bloße Leere. Typisch Pärt. Und auf der Bühne springen, rasen,...

Einstand

So viel Sehnsucht. So viel Hoffnung auf den «Wundermann», auf Martin Schläpfer, den toptalentierten Choreografen, der als Ballettdirektor Düsseldorf/Duisburg endlich zu überregionalem Tanzruhm verhelfen soll. Wunder hat er schon vollbracht, als er in der einstigen Tanzprovinz Mainz eine erstklassige Truppe etablierte.

Die brachte er nun mit ins neue Domizil,...