So wird ein Schuh draus
«Wenn Spitzenschuhe von Experten benutzt werden, sind sie ein Werkzeug des Ausdrucks», sagt William Forsythe. Sein Düsseldorfer Kollege Martin Schläpfer pflichtet ihm bei: «Der Gebrauch des Spitzenschuhs im Kunsttanz ist künstlerische Wahrheit – keine Wahl, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Bedürfnis, sich so und nicht anders ausdrücken zu wollen. Spitzenschuh oder eben nicht», sagt der Direktor des Ballett am Rhein, «ist keine Frage der Vorliebe, einer ästhetischen Präferenz.
Die Entscheidung wird immer aus einer dramaturgischen Fragestellung heraus getroffen: Was will man wie sagen?»
Schläpfer spricht in seinem Statement als ein zeitgenössischer Choreograf, «nicht als Repräsentant einer klassisch-romantischen Ballett-Tradition», die ohne den Spitzenschuh nicht zu denken ist. Dieser Schuh allein macht das «Unmögliche» eines Stücks wie «La Sylphide», «Giselle», «Schwanensee» oder «La Bayadère» möglich, hebt den Tanz auf eine Ebene, die ihm ansonsten unerreichbar ist – und gibt ihm etwas Metaphorisches. Das Unvergängliche, hier zumindest wird’s Ereignis. Aller Erdenschwere enthoben, scheint durch den Schuh der Tanz zu transzendieren.
Wenn ein Choreograf heutzutage zum ...
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