skandinavien: Gudjónsdóttir, Schubot: «Blind Spotting»
Sogar die vier feuerroten Theatervorhänge, die streng hintereinander hängen, sind erschöpft. Sie öffnen und schließen sich wie müde Augen. Ihre Schlitze hängen schräg im Raum, geben den Blick frei auf die acht Performer: lauter Blindgänger. Sie gehen ohne Augen. Eine schlafwandelt in rosaroter Kleidung. Eine hebt am Ende ihrer Kräfte die Wasserflasche, führt sie zum Mund. Ihre Co-Choreografin Angela Schubot reißt sehr langsam die Arme empor, markiert so den Moment, an dem sie stürzen wird. Ihr Mund ist halb geöffnet.
Auch bei anderen wirkt der Mund stets geformt wie ein Zeichen der Ohnmacht. Oder als Zeichen der Erotik. Ein Mund küsst die Wassertrinkerin. Da rinnt ihr das Wasser aus der Flasche, als würde sie sich entleeren. Ihre Beine geben nach, die Knie tanzen in der Pfütze.
Es sind Bilder wie aus einem Marionettenspiel. Eine schwarz-weiß Gekleidete, die Hände in den Hosentaschen, schreitet. Ein Mann kriecht auf allen vieren und hyperventiliert. Niemand bewegt sich wie von selbst. Immer geben erst Vorhänge den Blick frei: auf eine Frau im Bikini, deren Augen in Sehnsuchtsferne starren. Eine andere im schwarzen Kleid taucht in ihr Blickfeld, eine Hand gehoben, bereit zur ...
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Tanz August/September 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 74
von Arnd Wesemann
Der Februar 1933 war ein Monat unheilverkündender Ereignisse in Deutschland: Im Reichstag hält Adolf Hitler seine erste Ansprache an die Nation, Hermann Göring zieht 55.000 SA-Mitglieder zur Bildung einer offiziellen Hilfspolizei heran, wenig später wird das erste Konzentrationslager errichtet. Zur selben Zeit findet in Jerusalem am Sonntag, dem 26. Februar 1933...
Philip Glass komponierte «The Photographer» 1982 für das «Holland Festival», einen Dreiteiler mit den Sätzen «Schauspiel», «Konzert mit Fotografien» (von Eadweard Muybridge) und einem fulminanten «Tanz» als Finale. Dieses Mixed-Media-Stück holte das Kammerensemble Neue Musik Berlin nun anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Berliner Museums für Fotografie in...
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ula sickle
Sie hat die Welt der Künste nicht ganz unvorbereitet betreten: Ula Sickle, die kanadische Tänzerin und Choreografin mit polnischen Wurzeln, die derzeit in Brüssel lebt. Geboren 1978, studierte sie in ihrer Heimatstadt Toronto Kunstgeschichte, hängte weitere Semester in Paris dran und absolvierte danach die volle vierjährige Ausbildung...
