Serie Tanz-Mode: Barbara Vinkens Studie «Angezogen»
Ist doch immer wieder ein befremdlicher Anblick: gut gebaute Jungs in Strumpfhosen, deren ausgebeulter Zwickel an ein Birnen-Gehänge erinnert. Inzwischen hat diese Aussicht auf der Tanzbühne fast Seltenheitswert, ist den Klassiker-Neu- und Nachschöpfungen vorbehalten, die das Kostümalphabet des 19. Jahrhunderts nachbuchstabieren, wie es gerade der «Nussknacker» des Berliner Staatsballetts versucht (siehe S. 12).
Die Kreativen der freien Szene dagegen müssen sich aufgrund bescheidener Budgets (siehe S.
60) mit Alltagsgarderobe begnügen, an der weder Rüschenbordüren noch Rockvolants wippen. Unisex-Schlabberhose, Socke statt Spitzenschuh und Schläppchen – so marschieren zeitgenössische Produktionen gleichsam im Pulk daher. Genau besehen ist der Einheitslook für Mann und Frau jedoch: ein ganz großer Bluff. Zu dieser Schlussfolgerung geleitet Barbara Vinkens so unterhaltsame wie blitzgescheite Studie «Angezogen», die das «Geheimnis der Mode» entblättert und dabei enthüllt, dass keine noch so ambitionierte Schneiderkunst den kleinen Unterschied wegschnippeln kann.
Freilich haben die Damen im Lauf der Jahrhunderte die Kleiderpfründe der Herren erobert, sich Jacke, Hemd und Hose unter den ...
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Tanz Dezember 2013
Rubrik: praxis, Seite 72
von Dorion Weickmann
Okay, genau eine halbe Stunde Zeit, also bloß kein Geplänkel: «Reden wir über Richard Wagner.» Hofesh Shechters Hände streichen über den lackierten Tisch, als müsse er erst mal Tabula rasa machen. Noch dämmert das Café in Londons Tanzhaus Sadler’s Wells hinter regennassen Fenstern vor sich hin. Dagegen wirkt der Choreograf putzmunter, geradezu aufgepeitscht. Am...
Weltweit erfreuen sich Handlungsballette wieder wachsender Beliebtheit. Das gilt nicht nur für Neuproduktionen, vielmehr werden auch Repertoireklassiker – gerade erst «Der Nussknacker» in Berlin (siehe S.12) – neu aufgelegt: mit rekonstruierten Choreografien und historisch verbürgten Details. Zu den prominentesten Quellen, die solche Nachschöpfungen ermöglichen,...
Mit seinem neuen Stück «Lac of Signs» stiftet der in Brüssel lebende amerikanische Choreograf Andros Zins-Browne gleich in mehrfacher Hinsicht Verwirrung: Die Zuschauer lernen die Performerin Chrysa Parkinson aufs Intimste kennen – scheinbar. Der Stücktitel, unverkennbar ein Wortspiel, erschließt sich – scheinbar.
Die direkte phonetische Übertragung des...
