Sergei Vanaev
Sergei Vanaevs radikale Umdeutung des Tschaikowsky-Klassikers für ein Dutzend hoch motivierter Tänzer in Bremerhaven erfüllt zwar nicht die Erwartungen an Spitzentanz und ans imperiale Prachtballett, erzählt aber konsequent, tragikomisch und verständlich das Drama unerfüllbarer Liebe. Die «Böse Fee» ist der dunkle verwirrende Sexus von rätselhafter Anziehungskraft – verkörpert im Gaststar des Abends, Samuel Colbey. Der elegante und akrobatische Australier gehört ab kommender Saison zur Kompanie von Stephan Thoss in Wiesbaden.
Sein Carabosse ist der Fremde aus einer anderen Welt.
Exotisch und einschüchternd, aber ein verletzbares Wesen. Ein faustisch Grübelnder in der Studierstube, kein allmächtiger Magier – trotz phallischen Zauberstabs und Spiegels, in dem er das «gretchengleiche» Fantasiebild von Dornröschen erblickt. Bereits der Prolog gehört der Hauptfigur, die als Kavalier dann beim Geburtstagsfest den flotten Twen von Vanessa Erdmann beim Rosen-Adagio erst verängstigt, dann zielsicher umgarnt. In der virtuosen Glanznummer zitiert die kecke Erdmann nur kurz den berühmten Balance-Akt, nicht auf Spitze, um sich dann lässig auf den Boden zu fläzen. Die balzenden Prinzen gleichen ...
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Maren Witte studierte Literatur- und Kulturwissenschaft in Freiburg, Berlin und Berkeley (USA), wo sie auch Tanztechniken wie Release, Contact Improvisation und Tango Argentino trainierte. Sie promovierte an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die Wahrnehmung und Wirkung von Bewegung im Theater Robert Wilsons. Ihre Studien setzte sie über Tango und...
Der belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui und der britische Bildhauer Antony Gormley arbeiteten (mit Akram Khan) bereits an «Zero Degrees» sehr erfolgreich zusammen. Für ihr neuestes Stück liefert der junge polnische Komponist Szymon Brzóska die Live-Musik, und Cherkaoui erfüllt sich einen lang gehegten Traum: mit den Mönchen des Shaolintempels in China zu...
Das Ausrufezeichen hinter dem Namen Béjart, mit dem das Ballett der Straßburger Rheinoper seinen Abend ankündigte, lässt keinen Zweifel. Eine Hommage an den im vergangenen November verstorbenen großen Choreografen sollte es nicht werden, «dergleichen hätte Maurice gelangweilt», wie Ballet-Chef Bertrand d’At sagte. Der ehemalige Tänzer und spätere Assistent Béjarts...
