Selbst ist der Mann
Die Karlsbrücke kennt jeder. Der Annaplatz ist hingegen eher unbekannt, einer der kleinsten Plätze Prags, nur ein paar Schritte entfernt vom touristischen Trampelpfad. Besser gesagt: der Námestí u. S. Anny, wie man auf einer Hauswand lesen kann. Der zweisprachige Ortshinweis hat sich – eine Rarität – ganz verschnörkelt aus der k.u.k.-Vergangenheit erhalten. Angebracht ist er auf einem lindgrün bemalten, sonst eher unauffälligen Haus, dem man das provokative Innenleben nicht unbedingt ansieht.
Divadlo Na zábradlí nennt sich das Gebäude, hierzulande besser bekannt als das Theater am Geländer. In ihm hat sich einst Václav Havel vom Beleuchter zum Dramatiker der Nation hochgearbeitet. Ein paar Schritte weiter stößt man auf ein ehemaliges Kloster. Es beherbergt heute das Ballettzentrum des Narodní divadlo.
Filip Barankiewicz öffnet das schwere Eichentor, das ganz offensichtlich noch aus historischen Zeiten stammt. Seit drei Jahren residiert er hier, Hausherr nicht nur über das Anensky kláster, sondern als Ballettdirektor mitverantwortlich für gleich vier Spielstätten, nämlich National-, Staats- und Ständetheater sowie Neue Bühne im Haus der Laterna magica. Nicht ohne Besitzerstolz ...
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Tanz August/September 2020
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Hartmut Regitz
Die glänzende Autorin Sally Banes – Pionierin der seinerzeit neuen Betrachtungsweise von Tanz im sozialen Kontext sowie frühe Advokatin des Hip-Hop –, kennt man vor allem als Verfasserin des Standardwerks «Terpsichore in Sneakers: Post-modern Dance» (1980). Sieben weitere Bücher sowie eine Unzahl von Essays bezeugen ihre führende Rolle auf dem zunehmend fruchtbaren...
Unsere jüngsten Überlegungen zum Thema «Tanzausbildung» an der Ballettschule des Kanadischen Nationalballetts lassen sich mit einem Wort des kanadischen Philosophen Marshall McLuhan auf den Punkt bringen: «Jeder Zusammenbruch ist ein Durchbruch.» Als die National Ballet School (NBS) inmitten des Covid-19-Shutdowns dichtmachte, fühlte sich das in den Stunden danach...
Serge Lifar
Sommerfrische am Lido di Venezia samt Logis im Grand Hôtel des Bains – ein Ritual, dem Serge Diaghilew regelmäßig huldigte, um sich vom strapaziösen Dasein als Impresario der Ballets russes zu erholen. In seinem Schlepptau kamen hübsche junge Tänzer nach Venedig, so George Balanchine und Serge Lifar, die sich 1925 am Strand ablichten ließen. Vom wem,...
