Selbst ist der Mann
Die Karlsbrücke kennt jeder. Der Annaplatz ist hingegen eher unbekannt, einer der kleinsten Plätze Prags, nur ein paar Schritte entfernt vom touristischen Trampelpfad. Besser gesagt: der Námestí u. S. Anny, wie man auf einer Hauswand lesen kann. Der zweisprachige Ortshinweis hat sich – eine Rarität – ganz verschnörkelt aus der k.u.k.-Vergangenheit erhalten. Angebracht ist er auf einem lindgrün bemalten, sonst eher unauffälligen Haus, dem man das provokative Innenleben nicht unbedingt ansieht.
Divadlo Na zábradlí nennt sich das Gebäude, hierzulande besser bekannt als das Theater am Geländer. In ihm hat sich einst Václav Havel vom Beleuchter zum Dramatiker der Nation hochgearbeitet. Ein paar Schritte weiter stößt man auf ein ehemaliges Kloster. Es beherbergt heute das Ballettzentrum des Narodní divadlo.
Filip Barankiewicz öffnet das schwere Eichentor, das ganz offensichtlich noch aus historischen Zeiten stammt. Seit drei Jahren residiert er hier, Hausherr nicht nur über das Anensky kláster, sondern als Ballettdirektor mitverantwortlich für gleich vier Spielstätten, nämlich National-, Staats- und Ständetheater sowie Neue Bühne im Haus der Laterna magica. Nicht ohne Besitzerstolz ...
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Tanz August/September 2020
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Hartmut Regitz
Die Bibliothek im vierten Stock des Hamburger Ballettzentrums ist eine Insel der Ruhe inmitten umtriebiger Geschäftigkeit. Das denkmalgeschützte Gebäude im Stadtteil Hamm beherbergt nicht nur John Neumeiers Hamburg Ballett, sondern auch 181 Schüler und Schülerinnen aus aller Welt, die von hier aus in die Bühnenlaufbahn starten wollen. Seit 2013 hat Neumeiers...
Fünfundsechzig Jahre lang waren die Choreografin Krisztina Horváth und ihr Mann Michael Molnár einander verbunden. 1946 in Budapest geboren, stand er seit der Tanzausbildung unerschütterlich an ihrer Seite: 1971 bei der Emigration in die BRD, während der Engagements an den Theatern in Augsburg und Düsseldorf und sieben Jahre lang im Tanz-Forum Köln. Es folgte die...
Zurück im Theater nach über drei Monaten: ein merkwürdiges Gefühl, zumal nur 40 Zuschauer anwesend sind, die – gemäß den strengen Bestimmungen – zu ihren Plätzen geleitet werden. Und doch ist es auch ein Gefühl der Erleichterung: Einen Monat, nachdem die Premiere wegen Corona abgesagt werden musste, kann man nun Anne Teresa De Keersmaeker und den Pianisten Pavel...
