Second Life
Es gibt ein zweites Leben neben dem ersten. Undercover. Als Schläfer. In Träumen. In Spielen. In den einst «Multiple User Dungeons» genannten elekronischen Welten spielen per Computer der Steuerbuchhalter, die Hotelfachfrau, der Teilzeittaxifahrer und sechs Millionen andere in Deutschland gemeinsam mit den restlichen Träumern dieser Welt, die sie gar nicht kennen. Als Avatare, als Spielfiguren verkleidet, tanzen sie mit übermenschlichen Kräften durch wilde Fantasiewelten. Unsterblich und ausdauernd wie kein biologisches Wesen.
Sie spielen Eroberungen oder gleich den Krieg, sie spielen Strategen oder gleich die Simulation der Weltherrschaft. Sie spielen nicht mit der Macht sondern die Macht selbst – aus einem tiefen Gefühl eigener Machtlosigkeit. Alle Welt weiß: Sie lassen mehr Geld in den Weiten des Datenraums, als in DVD-Mietbuden, Kinos und Theatern zusammen.
Ökonomisch gesehen findet ihr zweites Leben in einem Schwellenland statt, in Schlummerland, Schlaraffenland, Second Life, SL abgekürzt. Hinter dieser Variante eines digitalen Spielplatzes steckt das amerikanische Unternehmen LindenLab. Es erlebt zur Zeit mindestens dasselbe Wachstum wie reale Schwellenländer auch, Indien, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Links ein altes Mikrofon. Zu Klavier und Kneipengesäusel tragen auf schwarzer Szene Kellner weißes Mobiliar ins Freie. Ein Sänger erscheint nicht, dafür seine Stimme: von der Gewalt eines ganzen Orchesters. Jacques Brel, Belgiens großer Chansonnier, dem der Chemnitzer Ballettchef Lode Devos nun huldigen wird, zieht die je zehn weiblichen und männlichen Cafégäste...
Dies sei «die choreografische Untersuchung einer Ästhetik der Gemeinschaft». Steht so im Programm von Reportable Portraits. Will sagen: die Gemeinschaft sei ästhetisch, weil sie sich durch ihre gemeinsame Bewegung eine Ordnung und Struktur bestimmt. Ist das schon choreografisch? Oder noch faschistisch? Augen zu. In fünf Akten, getrennt durch sehr schöne, stille,...
Jutta Czurda, Fürth feiert gerade sein 1000-jähriges Stadtjubiläum, und Sie erinnern mit «Mayim Mayim» an eines der dunkelsten Kapitel während des sogenannten Tausendjährigen Reichs – an die 33 Kinder eines jüdischen Waisenhauses, die am 22. März 1942 von den Nazis deportiert und später im Vernichtungslager Belzec ermordet wurden. Warum? Ich lebe seit fast zwanzig...
