schweiz: authentisch behindert...
Erst feiern Zürich und 24 weitere Schweizer Städte ein gigantisches Tanzfest am 14. und 15. Mai an jedem nur erdenklichen Ort: eine Inszenierung purer Lebensfreude. Dann geht’s ans Eingemachte: Über Tänzer mit Behinderung wird zwar geredet, aber nur selten sind sie zu sehen. In der Schweiz engagiert sich IntegrART darum für eine Erweiterung des Kunstbegriffs über die Grenzen der Norm weitaus radikaler als üblich.
«Nur Krüppel werden überleben», behauptet der Philosoph Peter Sloterdijk beim Symposium «Ästhetik versus Authentizität?» und fragt gemeinsam mit Jens Roselt und anderen Persönlichkeiten: Was ist mit authentisch gemeint, wenn man eine Inszenierung betrachtet? Sind Bewegungen eines Körpers mit Behinderung authentischer? Können sie unauthentisch sein? Beweise von der Bühne herab führen die Kompanien Monstertruck sowie die Choreografen Bill Shannon und Lila Derridj. Das Symposium findet an der Zürcher Hochschule der Künste am 24. und 25. Mai statt. Drumherum haben sich drei eigenständige Festivals mit gleichem Ziel unter ein Dach gestellt: «Okkupation!» in Zürich (18.–28. Mai), das «Community Arts Festival» in Bern (1.–5. Juni) und «wildwuchs» in Basel (27. Mai – 5. ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: kalender highlights, Seite 34
von
Was denkt die Dame in der Metrostation «Botanique/Kruidtuin», was führt sie im Schilde? Mariano Pensotti aus Buenos Aires erfindet ihre Geschichte im öffentlichen Raum: Anonyme erhalten ein Gesicht. Das Miniaturstadion von Jozef Wouters und Menno Vandevelde aus Antwerpen, das beide am Oude Graanmarkt errichten, lädt zum Betanzen ein, die isländische Choreografin...
Der Mann fühlt sich sichtlich unwohl. Ein paar durchgeknallte Teenager haben ihn zu ohrenbetäubenden Beats aus seinem Zuschauersessel auf die Bühne gezerrt. Die Jugendlichen sind kreischend im Off verschwunden und haben ihn allein im Rampenlicht stehen lassen. Nun weiß er nicht, wo er sich lassen soll, und tritt unter den mitfühlenden bis hämischen Blicken des...
Schräg bohrt sich das Licht durch die dunkle Bühne und gibt den Blick frei auf eine Gruppe von fünf Männern, die rhythmisch ihren Oberkörper vor- und zurückbeugen. Tranceartig tanzen sie ihr Gebet so, wie sie es jeden Tag in der Synagoge tun, voll Hingabe und mit geschlossenen Augen einen heiligen Text murmelnd. Der Unterschied zwischen einem Gebet und seiner...
