berlin: giorgio madia «oz – the wonderful wizard»
Vladimir Malakhov sieht ganz schön alt aus. Gelangweilt blättert er, vor dem Spiegel auf seinen Auftritt wartend, in einem Magazin. Sitzt lustlos da im gestrickten Liebestöter. Erst als er sich beobachtet fühlt, springt er auf, bedeckt seine scheinbare Blöße. Zu spät. Alle Illusion ist perdu.
Dorothy und die Ihren haben längst begriffen, dass sie einem Schwindler aufgesessen sind, dem Wizard of Oz eben, der faulen Zauber veranstaltet, selbst wenn er zuletzt der Vogelscheuche, dem Blechmann und einem vermeintlich feigen Löwen das vermittelt, wonach sie die ganze Zeit suchen: Herz, Verstand und Selbstvertrauen. «Oz – The Wonderful Wizard» nennt Giorgio Madia seine Ballettrevue in 18 Bildern an der Komischen Oper: ein Tanzstück, das sich keinen Allmachtsfantasien hingibt, sondern sehr verspielt und dabei äußerst trickreich die Erfolgserzählung von Lyman Frank Baum bebildert. Bedauerlich nur, dass sich der Intendant des Staatsballetts Berlin darin keinen besseren Auftritt verschafft hat und nicht als ein Weiser wirkt, der, Prospero gleich, an seiner Kunst (oder Nichtkunst, das ist hier die Frage) verzweifelt. Am Schluss erscheint Malakhov weniger als Fantast denn als Faxenmacher. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2011
Rubrik: kalender, Seite 36
von Hartmut Regitz
Aus Anlass des allerletzten Gastspiels von «Nearly 902» der Merce Cunningham Dance Company bei den Wiesbadener Maifestspielen im Staatstheater zeigt das Museum Wiesbaden eine Auswahl von 32 Zeichnungen des 2009 verstorbenen Künstlers. Cunningham war eng befreundet mit Jasper Johns und Robert Rauschenberg, der mehrfach die Bühnenbilder entwarf. Auch Cunningham...
Erst feiern Zürich und 24 weitere Schweizer Städte ein gigantisches Tanzfest am 14. und 15. Mai an jedem nur erdenklichen Ort: eine Inszenierung purer Lebensfreude. Dann geht’s ans Eingemachte: Über Tänzer mit Behinderung wird zwar geredet, aber nur selten sind sie zu sehen. In der Schweiz engagiert sich IntegrART darum für eine Erweiterung des Kunstbegriffs...
...ist in Europa immer noch ein Geheimtipp. Die Israelin ist seit 2005 Hauschoreografin der Batsheva Dance Company, und ihren Satelliten in unseren Breiten hat sie ausgerechnet im norwegischen Bergen gefunden, in Carte Blanche, der Kompanie des skandinavischen Landes für zeitgenössischen Tanz. Die bringt jetzt wieder ein Stück Sharon Eyals zur Uraufführung –...
