berlin: giorgio madia «oz – the wonderful wizard»
Vladimir Malakhov sieht ganz schön alt aus. Gelangweilt blättert er, vor dem Spiegel auf seinen Auftritt wartend, in einem Magazin. Sitzt lustlos da im gestrickten Liebestöter. Erst als er sich beobachtet fühlt, springt er auf, bedeckt seine scheinbare Blöße. Zu spät. Alle Illusion ist perdu.
Dorothy und die Ihren haben längst begriffen, dass sie einem Schwindler aufgesessen sind, dem Wizard of Oz eben, der faulen Zauber veranstaltet, selbst wenn er zuletzt der Vogelscheuche, dem Blechmann und einem vermeintlich feigen Löwen das vermittelt, wonach sie die ganze Zeit suchen: Herz, Verstand und Selbstvertrauen. «Oz – The Wonderful Wizard» nennt Giorgio Madia seine Ballettrevue in 18 Bildern an der Komischen Oper: ein Tanzstück, das sich keinen Allmachtsfantasien hingibt, sondern sehr verspielt und dabei äußerst trickreich die Erfolgserzählung von Lyman Frank Baum bebildert. Bedauerlich nur, dass sich der Intendant des Staatsballetts Berlin darin keinen besseren Auftritt verschafft hat und nicht als ein Weiser wirkt, der, Prospero gleich, an seiner Kunst (oder Nichtkunst, das ist hier die Frage) verzweifelt. Am Schluss erscheint Malakhov weniger als Fantast denn als Faxenmacher. ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: kalender, Seite 36
von Hartmut Regitz
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