Im Dickicht
Eine Reizüberflutung. Man kann die Performances, Videos, Installationen von Sung Hwan Kim als Overkill an Bezügen bezeichnen. Und man muss das nicht als etwas Negatives interpretieren, sondern als Abbild einer Zeit, in der unablässig Eindrücke auf den Menschen einstürmen, hochkulturelle Bezüge, Pop, Erinnerungen, Geschichte, Politik, Sexualität, Gegenwart.
Zum Beispiel das im Karlsruher ZKM gezeigte «Dog Video», entstanden 2006 als Teil der Serie «in the room». Kim behandelt hier seine Kindheit in Südkorea sowie seine Zeit als junger Erwachsener in Amsterdam.
Es treten auf: der Hund des Kindes, gespielt mit Hundemaske vom Musiker David Michael DiGregorio, sowie der Vater, gespielt von Kim selbst, der den Hund Benehmen lehrt. Dazwischen werden Kirchenglocken in Amsterdam geschnitten, ein Rilke-Gedicht, rhythmische Musik, eingespielt von DiGregorio. «Der Musiker und Komponist David Michael DiGregorio (…) erinnert sich an ein Lied, das seine Großmutter ihm vorgespielt hat», wird eine Frage im Begleitheft aufgeworfen. «Erinnerst du dich auch an Lieder, die dir eine ältere Person vorgespielt oder vorgesungen hat?» Und das muss man jetzt erst mal alles verarbeiten.
Das heißt nicht, ...
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Tanz März 2025
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Falk Schreiber
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