schwache zeichen sind stark

Grabungen in der Kluft zwischen Körper und Bild: Laurent Chétouanes «Tanzstück #4: leben wollen (zusammen)» sucht im strengen Individualismus das Fremde, die Form und die Faszination der Freiheit

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Das handfeste Drama bleibt in Laurent Chétouanes jüngstem «Tanzstück #4: leben wollen (zusammen)» die Ausnahme. Die Worte verlieren sich in luftiger Bewegung, fliehen in die Weite des Raums. Der französische Regisseur und Choreograf ließ sich von Roland Barthes’ Text «Comment vivre ensemble» inspirieren, fand darin Fremdheit in der Nähe, die Irrita­tion in der Gewohnheit, das Besondere im Unscheinbaren – Dinge, die er in seiner Bühnenkunst immer wieder sucht.

Man könnte auch andere Zeilen von Barthes anführen, aus den «Fragmenten einer Sprache der Liebe» etwa, in denen es heißt: «[…] auf dem Feld der Liebe ist die Belanglosigkeit keine ‹Schwäche› oder ‹Lächerlichkeit›: sie ist ein starkes Zeichen: je belangloser, um so mehr bedeutet sie, bestätigt sich als Kraft.» 

 

Belanglos? Beiläufig ist für Chétouane das treffendere Wort: so, wie die fünf Tänzer einer nach dem anderen die Bühne betreten, wie sie lose Reihen bilden, Diagonalen formen, sich an den Händen fassen und auf leisen Sohlen einen zarten Reigen anstimmen. Im Hintergrund wandern gesprochene Textzeilen in sogleich wieder verblassenden Projektionen, erscheinen Landschaften in naiver Comiczeichnung. Die Bewegung nimmt dazu ...

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Tanz Mai 2010
Rubrik: PRODUKTIONEN, Seite 12
von Irmela Kästner

Vergriffen
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