Schmerzlose Körper
Hat in der Philosophie die Missachtung des Körpers – propagiert von Descartes über Leibniz bis Wolff – ein Ende? Öffnen sich die Denker, die an der Verlässlichkeit sinnlicher Wahrnehmung zweifeln, wieder leiblicher Erfahrung, um den zentralen Zielen der Philosophie – Wissen, Selbsterkenntnis, richtiges Handeln, gutes Leben – mit der Ganzheit von Körper und Geist nah zu kommen? So, wie es einst Sokrates, Aristipp, Zenon, Diogenes taten? Der amerikanisch-israelische Philosoph Richard Shusterman erhofft eine Wende und stößt sie an: Mit seiner Somästhetik möchte er mit einer ästhe
tischen Aufmerksamkeit für den Körper und durch die Erforschung und Verfeinerung von Bewegung zu den Wurzeln von Ästhetik und Philosophie zurückkehren.
Shusterman, der an der Florida Atlantic University lehrt, ist Pragmatiker. Für den «weltlichen jüdischen Intellektuellen» (er über sich) mit zwei Pässen und einer philosophischen Karriere in drei Kontinenten und vier Sprachen sind Bücher «Werkzeuge des Denkens», nicht Objekte, die «zum Fetisch erhoben werden». Philosophie bedeutet ihm Lebenspraxis. In seinen Schriften «Kunst leben, Philosophie als Lebenspraxis» spürte er dem Verhältnis zwischen Leben, Kunst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Statt Verbrechen auf den Straßen, Tanzen auf dem Parkett: Das ungewöhnliche Projekt machte Schule in New York und wurde vor kurzem schon in der Dokumentation «Mad Hot Ballroom» vorgestellt. Nun rückt in der Spielfilmversion der Initiator ins Zentrum, der Tanzlehrer Pierre Dulaine, den Antonio Banderas mit spanischem Feuer und akrobatischer Eleganz spielt, die den...
«Im Mittelpunkt von ‹Blauzeit›», liest man auf der Einladung «steht die Frage: ‹Wie lang sind fünf Minuten?›» Fünf Minuten lang stehen die Tänzer des Folkwang Tanzstudios locker über die Bühne verteilt, regungslos da und schauen ins Publikum, ehe sie sich mit einem Schlag zu Boden fallen lassen und dort so lang in Embryo-Haltung liegen bleiben, dass man fast schon...
Bevor Marcia Breuer diese Frage stellen kann, muss man erst einmal Platz schaffen für eins der «bewegendsten» Bücher der letzten Zeit. Ganze dreizehn Meter lang ist das Leporello. Schlägt man allein die 53 Außenseiten des Buchs auf, stößt man auf Aussagen von Reid Anderson, Bridget Breiner, Robert Conn, Eric Gauthier, Marco Goecke, Yseult Lendvai, Christian Spuck –...
