Schmerzlose Körper

Irene Sieben über eine philosophische Sensation. Richard Shusterman schreibt «Leibliche Erfahrung in Kunst und Lebensstil» und bindet das Denken bedingungslos an den Körper

Tanz - Logo

Hat in der Philosophie die Missachtung des Körpers – propagiert von Descartes über Leibniz bis Wolff – ein Ende? Öffnen sich die Denker, die an der Verlässlichkeit sinnlicher Wahrnehmung zweifeln, wieder leiblicher Erfahrung, um den zentralen Zielen der Philosophie – Wissen, Selbsterkenntnis, richtiges Handeln, gutes Leben – mit der Ganzheit von Körper und Geist nah zu kommen? So, wie es einst Sokrates, Aristipp, Zenon, Diogenes taten? Der amerikanisch-israelische Philosoph Richard Shusterman erhofft eine Wende und stößt sie an: Mit seiner Somästhetik möchte er mit einer ästhe

tischen Aufmerksamkeit für den Körper und durch die Erforschung und Verfeinerung von Bewegung zu den Wurzeln von Ästhetik und Philosophie zurückkehren.
Shusterman, der an der Florida Atlantic University lehrt, ist Pragmatiker. Für den «weltlichen jüdischen Intellektuellen» (er über sich) mit zwei Pässen und einer philosophischen Karriere in drei Kontinenten und vier Sprachen sind Bücher «Werkzeuge des Denkens», nicht Objekte, die «zum Fetisch erhoben werden». Philosophie bedeutet ihm Lebenspraxis. In seinen Schriften «Kunst leben,  Philosophie als Lebenspraxis» spürte er dem Verhältnis zwischen Leben, Kunst ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2006
Rubrik: Körper, Seite 58
von Irene Sieben

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jedem seine Asche

Serge Prokofjews «Cinderella» im Bolshoi glänzt in internationaler Besetzung mit dem Choreografen des San Francisco Ballet, Yuri Possokhov, dem Opernregisseur Yuri Borissov, dem deutschen Architekten und Bühnenbildner Hans-Dieter Schaal, der amerikanische Kostümbildnerin Sandra Woodall und dem musikalischen Leiter des Bolshoi, Alexandr Vedernikov. Jeder hat seine...

Editorial

Liebe Leserinnen,
Sie haben die absolute Mehrheit. Der Tanz ist, laut Ihrer zahlreichen Reaktionen auf die Leserumfrage vom Februar, weiblich, steht zu fünfzig Prozent auf Spitze und beflügelt die Redaktion mit einer Menge von «Weiter so!»-Wünschen. Ihre Kritik macht uns Beine.
ballet-tanz bleibt eine Augenweide, wird immer für eine Überraschung gut sein und...

Ein Tanzhaus für München?

Münchens Kulturreferentin Lydia Hartl hat eine Podiumsdiskussion zum Thema «Tanz braucht eigene Strukturen» beim Tanzkongress in Berlin zum Anlass für eine vollmundige Erklärung genommen: Tanzplan-vor-Ort habe ihr sehr geholfen, beim Stadtrat ein Tanzhaus durchzusetzen. Bekommt München wirklich ein Tanzhaus? Oder ein Performing Arts Centre, wie dies bereits Hartls...