Schmerzlose Körper

Irene Sieben über eine philosophische Sensation. Richard Shusterman schreibt «Leibliche Erfahrung in Kunst und Lebensstil» und bindet das Denken bedingungslos an den Körper

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Hat in der Philosophie die Missachtung des Körpers – propagiert von Descartes über Leibniz bis Wolff – ein Ende? Öffnen sich die Denker, die an der Verlässlichkeit sinnlicher Wahrnehmung zweifeln, wieder leiblicher Erfahrung, um den zentralen Zielen der Philosophie – Wissen, Selbsterkenntnis, richtiges Handeln, gutes Leben – mit der Ganzheit von Körper und Geist nah zu kommen? So, wie es einst Sokrates, Aristipp, Zenon, Diogenes taten? Der amerikanisch-israelische Philosoph Richard Shusterman erhofft eine Wende und stößt sie an: Mit seiner Somästhetik möchte er mit einer ästhe

tischen Aufmerksamkeit für den Körper und durch die Erforschung und Verfeinerung von Bewegung zu den Wurzeln von Ästhetik und Philosophie zurückkehren.
Shusterman, der an der Florida Atlantic University lehrt, ist Pragmatiker. Für den «weltlichen jüdischen Intellektuellen» (er über sich) mit zwei Pässen und einer philosophischen Karriere in drei Kontinenten und vier Sprachen sind Bücher «Werkzeuge des Denkens», nicht Objekte, die «zum Fetisch erhoben werden». Philosophie bedeutet ihm Lebenspraxis. In seinen Schriften «Kunst leben,  Philosophie als Lebenspraxis» spürte er dem Verhältnis zwischen Leben, Kunst ...

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Tanz Juni 2006
Rubrik: Körper, Seite 58
von Irene Sieben

Vergriffen
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