Menschen und Käfer
«Im Mittelpunkt von ‹Blauzeit›», liest man auf der Einladung «steht die Frage: ‹Wie lang sind fünf Minuten?›» Fünf Minuten lang stehen die Tänzer des Folkwang Tanzstudios locker über die Bühne verteilt, regungslos da und schauen ins Publikum, ehe sie sich mit einem Schlag zu Boden fallen lassen und dort so lang in Embryo-Haltung liegen bleiben, dass man fast schon glaubt, «Blauzeit» werde aus lauter solchen regungslosen Fünf-Minuten-Sequenzen bestehen.
Am Ende befindet sich nur noch ein Paar, das zuvor in einem langen Pas de deux über die Bühne getobt, getollt und gekugelt ist, auf der Bühne und wartet, dass wieder ominöse fünf Minuten vergehen, und da zu diesem Zeitpunkt schon mehr als eine Stunde vorüber ist, in der außer den Bewegungen der Tanzenden und der atmosphärisch dichten, mal zirpenden, mal wie mit Silberglöckchen klingelnden Musik des New Yorkers David Lang nichts geschah, empfindet der Zuhörer diese letzten fünf Minuten bereits als wesentlich länger als die ersten, wenn die Erwartung noch hoch gespannt ist und die Eindrücke noch frisch sind.
Die Tänze in der Stunde zwischen den regungslosen ersten und letzten fünf Minuten von «Blauzeit» entwickelt Henrietta Horn ...
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