Schatzgräber

Der Choreograf und Rekonstruktionsspezialist Pierre Lacotte feiert 90. Geburtstag – wir gratulieren. Mit einem Rückblick von Thomas Hahn

Tanz - Logo

Er kann zufrieden sein. Mit seinen neunzig Lebensjahren genauso wie mit dem Erfolg seines letzten Balletts. An der Pariser Opéra, also dort wo für ihn alles begonnen hat, brachte Pierre Lacotte im vergangenen Herbst eine Bearbeitung von Stendhals Literaturklassiker «Le Rouge et le Noir» auf die Bühne, die zeigt, wie historisierendes Handlungsballett heute noch mitreißen kann.

Dass er sich mit diesem Stück von der Bühne verabschiedet, ließ der Ballettmacher, dessen siebzig Jahre währendes choreografisches Schaffen sogar einen John Neumeier in den Schatten stellt, ganz offiziell verlauten. Allerdings liegt er weit hinter dem Hamburger Ballettchef, was die Anzahl kreierter Stücke angeht. Denn Lacottes Lebensaufgabe lag weniger in der Kreation als in Erhalt, Weitergabe und Wiederbelebung klassischer Ballettkultur.

Übertragen bekam er diese Sonderrolle von seiner Lehrerin Lubov Egorova (1880 – 1972), die in ihrem Pariser Tanzstudio auch Yvette Chauviré, Roland Petit, Serge Lifar, Maurice Béjart und andere Prominenz ausgebildet hatte. Lacotte, ein typischer Zögling der École de danse der Pariser Opéra, nahm bei ihr Extrastunden. So wurde er 1953 zum Premier danseur ernannt, aber schon ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2022
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Jalet & Eyal/Behar «Skid», «Saaba»

Für «Skid», den Aufmacher dieses Doppelabends, mit dem die GöteborgOperansDanskompani jetzt in Ludwigshafen gastiert, heben die Ausstatter Jim Hodges und Carlos Marques da Cruz die Tanzbühne des Theaters im Pfalzbau aus den Angeln. Um Damien Jalets Tänzer*innen aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihre Bodenhaftung herauszufordern, kippen sie die weiße Bühne um 34...

Ausstellungen 4/22

DIE FOTOGRAFINNEN NINI UND CARRY HESS
Die Schwestern Nini (1884 – 1943) und Carry Hess (1889 – 1957) sind heute beinahe unbekannte Vertreterinnen der Fotografie in der Weimarer Republik. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fotografierten die Frankfurter Künstlerinnen allerdings Prominente wie Thomas Mann, Wilhelm Furtwängler oder Heinrich George. Darüber...

Tanz die Stille

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 bombardierten britische Streitkräfte das 630 000 Einwohner zählende Dresden. Der schwerste Luftangriff des Zweiten Weltkriegs, den die Deutschen entfesselt hatten, legte Elbflorenz in Schutt und Asche. 25000 Menschen fanden den Tod. Soweit die Schreckensbilanz des letzten Flächenbrands auf europäischem Boden – für eine...