Sandroni, van Manen, Schläpfer & das Bayerische Staatsballett
«Déjà Donné», französisch für «Recycling». So heißt seine Kompanie. Simone Sandronis Ausstattung und Bewegungssprache für «Cambio d’abito» (Kleiderwechsel) speisen sich aus zweiter Hand. Thematisch – es geht ums Auf-Spüren des Spektakels im Alltag, der alten Schwungkraft, unter Schichten abgelagert und begraben. Strukturell, weil Simone Sandroni das kalkulierte Risiko der Ballettwocheneröffnung beim Bayerischen Staatsballett, wenig Zeit und fachfremde Tänzer hatte. Er entschied sich für Bach und einen aufmunternden Grundkurs zu seinem Werk.
Das ist «contemporary», sprich: zu erdig und ungestüm fürs Münchner Ballett. (Bis auf den Naturquirl Wunsze Chan und den polyvalenten Norbert Graf, die direkt in der zeitgenössischen Szene anheuern können). Trotzdem, für hiesige Verhältnisse ist das Resultat wild und struppig. Kreischend farbenfroh rosalies Kostümfetzchen; bonbonrosa, quietschgrün, zitronengelb, krebsrot wiehern sie in die aufgerissene Dunkelheit. Die Tänzer tragen die Haare wie es ihnen gefällt. Sie rennen ganz viel über die Bühne, diagonal, im Kreis oder Knäuel, manchmal ineinander. Kindergeburtstag. Das wirkt sicher ausgelassen, sobald sie sich in dem freien Idiom heimischer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist dieser Tage ein Leichtes, auf eine kapriziöse Choreografin zu warten, die sich nicht so recht entscheiden kann, wann sie ein Interview geben möchte. Die mittelitalienische Sonne wärmt die Geduld, das frühlingshafte Rom bietet genügend Anlässe, bei einem guten Espresso noch einmal die Bilder des Vorabends an sich vorbeiziehen zu lassen. Heerscharen von...
Rencontres Chorégraphiques Internationales De Seine-Saint Denis
Nacera Belaza und Radhouane el Meddeb sind zwei der Hoffnungsträger bei den Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint Denis bei Paris. Wir fragten die beiden nach der Rolle ihrer Herkunft für ihre Choreografien.
Radhouane el Meddeb: Ich bin in Tunesien aufgewachsen, habe dort die...
Man stelle sich vor, der Intendant eines Dreisparten-Hauses würde, um bei Einsparungen im Etat die Qualität von Tanz und Schauspiel zu erhalten, die Oper schließen. Ein Aufschrei ginge durch die Republik. Wird aber die Tanz-Sparte am Haus «abgewickelt», wie es heutzutage heißt, herrscht nichts als Schweigen. So weitgehend unbemerkt schafft auch das Theater Bonn...
