orpheus und eurydike
Es ist dieser Tage ein Leichtes, auf eine kapriziöse Choreografin zu warten, die sich nicht so recht entscheiden kann, wann sie ein Interview geben möchte. Die mittelitalienische Sonne wärmt die Geduld, das frühlingshafte Rom bietet genügend Anlässe, bei einem guten Espresso noch einmal die Bilder des Vorabends an sich vorbeiziehen zu lassen.
Heerscharen von zappelnden, zuckenden Tänzern mit weißen Fellmützen und -stulpen; nackte Oberkörper, strassverzierte Brustwarzen und goldene Hotpants; Körper, die sich manieriert spreizen und überdreht zusammenkrampfen, die langen, schlanken Gliedmaßen verdrehen und schütteln, ihre spitzen Zungen in die Luft bohren, dabei von einer asymmetrisch-verzogenen Position in die nächste gleiten und gellende Schreie ausstoßen. Hochstilisierte Wilde – ästhetisch irgendwo zwischen Ice-Age und Björk.
Angekündigt war die Uraufführung von Marie Chouinards Version des Orpheus-und-Eurydike-Mythos. Erwartungen? Vielleicht eine tänzerische Reflexion auf die Sehnsucht der Liebe und die Unmöglichkeit, der Unterwelt diese Liebe zu entreißen. Weil es nicht zu schaffen ist, eine einzige Bedingung zu erfüllen: nicht zurückzublicken. Oder über die Aussichtslosigkeit, ...
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