Sammler-Herzen
Eigentlich war der Rahm längst abgeschöpft. Schon 2012 hatte die erste, sensationelle Versteigerung in Lausanne etwa sechs Millionen Euro erbracht, siebenmal mehr als erwartet. Aber Serge Lifars Hinterlassenschaft scheint schier unerschöpflich: Der Mann sammelte, was er nur kriegen konnte, und warf kaum etwas in den Müll. Der Tänzer, Choreograf und langjährige Ballettdirektor der Pariser Oper hortete nicht nur Fotografien, die von ihm und seinen Freunden entstanden. Nicht nur die Briefe, die sie ihm schrieben, nicht nur Plakate, Programmhefte oder Ballett-Zeitschriften.
Lifar war Kunstsammler, und seine Freunde hießen Jean Cocteau und Coco Chanel, Max Ernst, Pablo Picasso und Marc Chagall. Gute Freunde haben die Eigenschaft, Geschenke zu machen: hier ein Bild, da eine Skizze, dort ein Kostümentwurf. Oder gar eine Bibliothek: Serge Diaghilew, Impresario der Ballets russes, hinterließ Lifar – seinem letzten Liebhaber – umfangreiche Buchbestände. Seitdem sammelte der junge Mann weiter und weiter und trug im Lauf der Jahrzehnte immense Schätze zusammen: Zeichnungen, Gemälde, Andenken von Gala-Auftritten, Gastspielen, Reisen – kurz: Auktionsgut in Hülle und Fülle, das Sammler weltweit ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 46
von Thomas Hahn
Der junge, gegen die Ballettkonvention rebellierende Choreograf Kostja setzt in John Neumeiers «Die Möwe» nach Anton Tschechows Komödie seinen Fuß auf das kleine Podium inmitten der Bühne. Zwischen Erfolgsrausch und Selbstzweifel schwankend, küsst er die Bretter, die ihm die Welt bedeuten. So ähnlich mag es dem 1971 als jüngstem Ballettchef nach Frankfurt berufenen...
Es ist nun mal Tradition. Zu einem Opernhaus gehört ein Ballett. In allen großen Städten ist das so. Und wo es mal nicht so ist, wie in Köln, wo man statt Ballett den zeitgenössischen Tanz in die Oper ließ, da gibt es bald gar keinen Tanz mehr. Davon haben sich die Schweden aber wenig beeindrucken lassen. Das altehrwürdige GöteborgsOperans Balett ist erst letztes...
Hohe Wangenknochen, geheimnisvolle Augen, eine fein geschnittene Adlernase: Andrej Uspenski ist ein attraktiver Mann. Auf der Bühne gibt der muskulöse und sprungstarke Tänzer des Royal Ballet in London eine durch und durch maskuline Erscheinung ab. Doch was Uspenski als Tänzer vor allem anderen auszeichnet, sind seine naturgegebene Musikalität und sein intuitives...
