salzburg: superamas: youdream

Tanz - Logo

Der Traum beginnt mit einer Pikanterie von nicht weniger als napoleonischen Ausmaßen, und zwar in Polen. Mit der zauberhaften Gräfin Maria Walewska, die 1804 als zarte 18-Jäh­rige mit einem reichen, um ein halbes Jahrhundert älteren Herrn zwangsverehelicht wurde. Drei Jahre darauf verliebte sich Napoleon in sie. Maria blieb standhaft, traf den Kaiser erst auf Drängen ihres patriotischen Gatten zum Tête-à-tête – und wurde dann doch seine Mätresse.



In «youdream», der jüngsten Arbeit des französisch-österreichischen Kollektivs Superamas, wird der Riss zwischen Traum und Wirklichkeit genüsslich verbreitert. Der Titel erinnert an YouTube oder YouPorn. Auf die eigens für dieses Projekt eingerichteten Website youdream.be sind inszenierte Chats hochgeladen, in denen Träume erzählt und Klischees gedroschen werden, was nicht ohne schamloses Mobbing abgeht. Wie Bonusmaterial wirken derzeit noch kurze, von Superamas gedrehte Szenen, die zu einer Fernsehserie für das Internet zusammenwachsen sollen, so eine Sequenz über den italienischen Westentaschen-Napoleon Silvio Berlusconi mit Angela Merkel und Margaret Thatcher.

Einige der Chats werden auch im Bühnenstück gezeigt. Sie sind als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2011
Rubrik: kalender, Seite 42
von Helmut Ploebst

Weitere Beiträge
avignon: für eine bastion immateriellen kulturguts

Boris Charmatz, es gab viel Aufregung um das ­Fes­­tival von Avignon, als Kulturminis­-
­ter Frédéric Mitterrand entschied, ab 2013 den Theaterregisseur Olivier Py mit der Leitung zu betreuen. Py unterstrich sofort, dass er das ­Sprechtheater «verteidigen» werde gegen den «bösen» Tanz. Wie sehen Sie als diesjähriger artiste associé das Verhältnis zwischen den...

essen: meg stuart...

...will neuerdings ein bisschen sein «wie ein Alchemist»: fantasieren, fixe Ideen verfolgen und wie einst die Goldmacher durch gewagte Transmutationen Edles erschaffen. Für ihr neues Stück «Violet» hat sich Meg Stuart deren mysteriöse Gedankenwelt geborgt, um im Tanz den Prozess der Transformation zu erforschen. «Wie vollzieht sich Veränderung, Verwesung, Entropie?...

transmedial...

Veränderungen beginnen meist im Verborgenen. Etwa weil sich einige der Bedingungen tief im Inneren eines Systems verschieben, die dieses zusammenhalten. Zunächst hat sich nur eine Spannung aufgebaut, die kaum messbar ist, mit der Zeit aber wachsende Unregelmäßigkeiten erzeugt. Retrospektiv wird festgestellt werden, dass sich die kleine Wirkung in eine kleine...