Saarbrücken, München: «bohner_celis»
«Ein großer Augenblick des Theaters» lautete 1971 das Fazit von Klaus Geitel – «nicht allein des Balletts». «Was ist geschehen? Was geschieht überhaupt?», das fragt nicht nur er sich zu Anfang einer Kritik, die seinerzeit noch dreispaltig in der Tageszeitung «Die Welt» hat erscheinen können. Seine Antwort: «Eine Phantasmagorie des Grauens, der Verfolgung, der Qual, der Hoffnungslosigkeit jagt über die Bühne. Choreografie im Würgegriff des Geschehens. Blutiger Spuk. Nachtmahre. Ängste. Tanz – herausgefoltert aus gepeinigten Körpern, in unaufhörlichen Torturen hervorgerenkt.
Wortlose Schreie werden zu Fleisch und Blut.»
Hätte die Uraufführung «Die Folterungen der Beatrice Cenci» von Gerhard Bohner dieser Tage stattgefunden, würde ein Kritiker vermutlich weniger schockiert reagieren. Gewaltdarstellungen sind inzwischen auch auf der Ballettbühne üblich geworden. Bei der Aufführung im Saarländischen Staatstheater handelt es sich indes um ein Tanzfonds-Erbe-Projekt, und das heißt: um die Rekonstruktion eines Balletts, das 1971 an der Akademie der Künste in West-Berlin gleich aus mehreren Gründen die Sehgewohnheiten des Publikums sprengte. Zum einen natürlich als Werk, das seinerzeit als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2018
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Hartmut Regitz
Pläne der Redaktion
Der Heizer Robert Smith will sich einfach nicht anpassen in der westlichen Welt. Perfekter Stoff für Frank Castorf: Eugene O’Neills «Der haarige Affe» in Hamburg.
#MeToo: Julia Riedler, Judith Rosmair und Hildegard Schmahl über Theaterarbeit, Macht und Männer.
Er war in den 60er Jahren ein Bühnenrevolutionär, dessen Entwürfe auch heute noch ...
Man hat einen Plan. Man reflektiert Fragestellungen, erwartet Resultate. Aber: «Das Grundproblem besteht darin, dass man nicht genau weiß, was man nicht weiß.» Das sagt eine Koryphäe des Ergründens und Fragens, der Molekularbiologe und Wissenschaftshis-toriker Hans-Jörg Rheinberger. Und weiter: «Was wirklich neu ist, ist definitionsgemäß nicht vorhersehbar, es kann...
Rafaële Giovanola, die Bonner Company CocoonDance ist zur Tanzplattform eingeladen. Glückwunsch von uns allen hier am Tisch.
Giovanola: Ich freue mich sehr darüber, danke. Es ist eine Bestätigung dafür, dass man sich weiterentwickelt und dies auch wahrgenommen wird. Aber es ist nur eine Momentaufnahme.
Weil es höheres Ziel gibt?
Giovanola: Ein großes...
