rosas blättert.
Die Chefredakteurin des Abends nimmt auf dem Programmzettel kein Blatt vor den Mund. Sie widmet ihre «Zeitung» Gérard Violette, schwarz auf weiß. Violettes Zeit als Intendant des Zentrums der französischen Tanzszene, des Théâtre de la Ville in Paris, läuft ab. Das birgt auch Risiken für Brüssels Vorzeigechoreografin, die bereits ihre Residenz in Brüssels Opernhaus La Monnaie verlor. Violettes Treue und seine beständigen finanziellen Beiträge zu Keersmaekers Produktionen waren für die Kompanie Rosas eine Art Lebensversicherung.
Nach fast einem Vierteljahrhundert ständiger Präsenz auf der Bühne an der Place du Châtelet schenkte Keersmaeker die Uraufführung ihrem Mentor Gérard Violette, zum ersten und letzten Mal. Symbolischer geht es nicht.
Warum heißt das Stück «Zeitung», auf Deutsch? Niemand liest auf der Bühne, keine Stimme im Off verkündet Nachrichten, nirgendwo raschelt Papier. Ist der Titel ein versteckter Appell an die Presse, sie umso mehr zu unterstützen? Falls es so wäre, geschähe es hier mit besonderem Vergnügen. Von den 105 Minuten ist keine zu viel. Im Gegenteil, man möchte gleich nach dem Applaus wieder von vorn anfangen. Es ist eine ihrer bewegendsten Recherchen und ...
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Marcelo Santos,
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