rom: Virgilio Sieni: «De anima»

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Einmal mehr schleudert Virgilio Sieni eruptiv wie ein Vulkan eine neue Idee in die Welt: Ausgangspunkt für «De Anima» ist Aristoteles‘ gleichnamiges Werk, dessen erstes Buch die These enthält, dass die Seele das Prinzip, ja der Initialfunke aller Bewegung sei.

Dank ihrer gänzlich ursprünglichen Körperlichkeit verflacht Sienis neue Kreation jedoch nie zu steriler Philosophie, sondern setzt einen Multicolor-Tanz in Bewegung, der sich – von Tiepolos unverwechselbarer Farbgebung bis zu Picassos Harlekinen – bei den unterschiedlichsten Vorstellungswelten bedient, ohne sich ihnen zu unterwerfen. Zwar läuft auch die Poetik dieses großen Choreografen durchaus Gefahr, bestimmte visuelle und räumliche Codes zu wiederholen. Doch bricht Sieni hier die von einer Ästhetik der Zerbrechlichkeit, Flüchtigkeit und Unschuld getragene Erzählung durch bezaubernde Ironie auf.

«De Anima» erinnert an ein Clown-Spektakel, so intensiv sind die Darstellungen von Gleichgewichtsverlust und Unzulänglichkeit, wo Gesten ihr Ziel verfehlen, wo sich abmühende Körper eine Dynamik unvermeidlicher Melancholie erzeugen. Vier Tänzer und zwei Tänzerinnen kämpfen unaufhörlich gegen ihre weitaus geschickteren Doppelgänger. ...

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Tanz Oktober 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Sergio Lo Gatto

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