Roberto Bolle
Roberto Bolle sei in seiner Zeit an der Ballettschule der Mailänder Scala ein sehr introvertierter, einsamer Junge gewesen. Er habe sich in den verwinkelten Räumen des Theaters geheime Plätze gesucht, um allein für sich zu trainieren, zu träumen und sich selbst zu Tränen zu rühren. Er verrät das in einem neuen Bildband, «Roberto Bolle – An Ath-lete in Tights», und hätte das natürlich nie erzählt, gäbe es keine wundersame Erlösung aus der melancholischen Einsamkeit.
Rudolf Nureyev probte an der Scala den «Nussknacker», Bolle spürte den väterlichen Blick auf sich ruhen und dann, als der Jüngling sich mal wieder davon gemacht hatte, unbemerkt in einen Tanzsaal geschlichen war, um sein Traumtanztraining zu absolvieren, da öffnete sich die Tür, und Rudolf Nureyev trat mit einem Assis-tenten ein. Bolle erschrak, weil er verbotenerweise in einem Raum tanzte, der dem Meister zugedacht war. Aber diese Vaterfigur wäre keine, würde Bolle nicht erzählen können, wie eine Legende der anderen half, auf die Beine zu kommen. Bolle tat erst so, als sei Nureyev gar nicht da, versuchte selbstversunken seine Routinen durchzuziehen, bis sich ihre Blicke endlich trafen und Bolle seine Augen schüchtern ...
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