Robert North «Beethoven!»
Aus dem Sarg klopft es. Die Trauergäste erstarren. Da will der Erzähler in die schwarze Kiste hineinschauen – und zwischen seinen Beinen krabbelt ein junger Beethoven hervor. Mit dem Tod des Musikergenies beginnt sein Leben: Robert North, Ballettchef des Gemeinschaftstheaters Krefeld/Mönchengladbach, ehrt den Komponisten zum 250. Geburtstag mit einem biografischen Erzählballett in historisierender Ausstattung.
Es gibt gute Gründe, diese Produktion zwischen leichtem Humor und tragischem Ernst zu mögen.
Da ist ein starkes Konzept, das die Lichtgestalt Ludwig mit seinen zahlreichen Gesichtern dreiteilt. Der Erzähler mit grauer Mähne (Intendant Michael Grosse) verkörpert den sprachgewaltigen, alternden Künstler, ein Tänzer (Alessandro Borghesani) den ungestümen, jungen Freigeist, und der Pianist André Parfenov interpretiert am Klavier auf der Bühne das tragische Genie – und seine Kompositionen.
Diese Konzeption ermöglicht es, Beethoven nicht nur als Komponisten aufs Podest zu heben, sondern auch den visionären Intellektuellen und seine Abgründe zu beleuchten. Der historische Hintergrund der französischen Revolution und ihrer Nachwehen wird greifbar in Beet-hovens Schlagfertigkeit. ...
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Tanz April 2020
Rubrik: Beethoven, Seite 17
von Bettina Trouwborst
«Projekt», das ist ein seltenes Wort im John-Neumeier-Kosmos. Fragmente oder Skizzen gab es schon, 2018 kam das «Beethoven-Projekt» dazu. Hamburgs Langzeitballettdirektor bezeichnet es selbst als Zwitter und Unikum in seinem Œuvre. Ein Werk von weit über zwei Stunden Länge, kein biografisches Handlungsballett, obwohl Lebensstationen aufgerufen werden, und auch...
Ein stilles Stockdunkel. Irgendwann sind Schemen zu erkennen, zarte Lichtschweife an der Bühnenhinterwand. Eine gefühlte Ewigkeit später Umrisse von Körpern. Bewegen die sich? Geben sie dieses Raunen von sich? Irgendwann erklingt Choralgesang, und die Gestalten werden sichtbar als Dahinsiechende, Lebendig-Tote mit offenen, hängenden Mündern, gekrümmten Rücken und...
Aenne Goldschmidt anlässlich ihres Todes als «eine der bedeutendsten Choreografinnen, Tanzpädagoginnen und Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der deutschen Bühnenfolklore» auf das Podest zu stellen, unterschlägt, dass sich die überzeugte Schweizer Kommunistin in der DDR ohne Wenn und Aber in den Dienst der SED-Kulturpolitik stellte und den Volkstanz ideologisch...
