Rituale: Jo Ann Endicott
Ich hatte eigentlich nie einen Talisman – außer als ich Australien 1973 verließ. Da hat mir meine Mutter einen dunkelrot gefärbten Känguru-Pelzmantel geschenkt. Dieser Mantel hat mir in den Anfangszeiten am Wuppertaler Tanztheater, während der kalten Jahreszeit und – was vielleicht noch wichtiger war – in schwierigen Phasen die Seele gewärmt. Viele Jahre lang war er fast die einzige Verbindung zu meiner Mutter, meiner australischen Heimat und meinem früheren Leben.
Inzwischen ist vielleicht eine braune Wollmütze, die einmal Pina gehört hat, zu meinem Talisman oder Glücksbringer geworden. Ich habe sie im Januar 2018 bekommen. Seitdem trage ich sie immer im Winter, und bei den Proben steckt sie immer in meiner Tasche. Und ja, da ist noch etwas. Als Probenleiterin für «Die sieben Todsünden» habe ich der jungen Tänzerin Stephanie Troyak 2018 meine Rolle als Anna übergeben, die mich schon fast mein ganzes Leben lang begleitet hat. Meiner Nachfolgerin habe ich auch alle meine «alten» Kleider überlassen, die ich seit den ersten Aufführungen Jahrzehnte lang getragen habe. Genauso setzt jetzt Breanna O‘Mara, die meine Rolle in «Arien» übernommen hat, das Liebesspiel mit «meinem» alten ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 17
von
Die erstaunlichste Premiere der vergangenen Saison war «The Winter‘s Tale» von Christopher Wheeldon und Joby Talbot am Moskauer Bolschoi: Die am Royal Ballet London 2014 uraufgeführte Produktion hat zwar den Original-Aufbau und die Erzähl-linien beibehalten. Aber zugleich wurden Dutzende von Veränderungen – von szenischen Akzenten bis hin zur musikalischen...
Der Kleider- und Mode-Fetischismus der Gegenwart, er wurzelt nicht zuletzt: im Mittelalter. Damals wurde die Pracht von Gewändern ein Medium der Repräsentation für geistliche und weltliche Eliten – was sich an Gemälden nachvollziehen lässt. Denn im 15. Jahrhundert erlangte die Malerei die Fähigkeit, die textile Stofflichkeit im Malraum zu vergegenwärtigen. Das...
Einen konkreten Talisman oder Glücksbringer, so was habe ich eigentlich nicht. Ich knüpfe den Erfolg meiner Vorstellungen nicht so gerne an etwas Äußerliches, denn letztlich kann nur ich selbst meine Auftritte steuern.
Aber eine persönliche Routine vor jedem Vorstellungsbeginn habe ich schon. Die letzten beiden Stunden vor dem Auftritt sind mir sozusagen heilig....
