Begehren

Der Stoff, aus dem der Fetisch ist: ein Bilderbogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart

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Der Kleider- und Mode-Fetischismus der Gegenwart, er wurzelt nicht zuletzt: im Mittelalter. Damals wurde die Pracht von Gewändern ein Medium der Repräsentation für geistliche und weltliche Eliten – was sich an Gemälden nachvollziehen lässt. Denn im 15. Jahrhundert erlangte die Malerei die Fähigkeit, die textile Stofflichkeit im Malraum zu vergegenwärtigen. Das Gewebe, die Muster und Faltungen von Gewändern, von Pelzen und Federn wurden mit derselben Sorgsamkeit behandelt wie die heiligen Gestalten der Bibel oder die Repräsentanten der Herrschaft.

 

Perlen und Edelsteine

Die Stoffe so nachzuahmen, dass sie eine taktile Anmutung erhalten, erforderte Übung und Können. Gewandstudien bezeugen die sorgsame Erkundung der Stoffe und die Herausarbeitung ihrer Plastizität durch Licht- und Schattenverteilung. Treten dann noch Farben dazu, wie bei Jan van Eycks «Madonna des Kanonikus Joris van der Paele» (1436), dann erkennen wir eine epochale Obsession. Die malerische Wiedergabe von Stoffen, Brokatstickereien, Edelsteinbesatz, Bordüren, Bändern, Teppichen, Tüchern, einfarbigen oder üppig golddurchwirkten Gewändern, von Schmuck und Perlen, Metall, Fußbodenkacheln, transparentem Glas – all ...

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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Begehren, Seite 40
von Hartmut Böhme

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