Richard Siegal «Xerrox Vol.2»
In München fing alles an. Dort hat der Choreograf Richard Siegal sein Ballet of Difference (BoD) gegründet (tanz 7/17), das inzwischen am Kölner Schauspiel angedockt ist. Ob die Domstadt genug Weitsicht dafür besitzt, sich endlich wieder eine feste Tanzsparte zuzulegen und dafür das Ensemble und seinen Chef fest an sich zu binden, steht in den Sternen. Tatsache ist, dass auch die jüngsten Arbeiten die künstlerische Bedeutung von BoD unterstreichen. «Xerrox Vol.
2», betitelt nach der E-Partitur von Alva Noto und beim Münchner Festival «Dance» zu sehen, ist pures Substrat des akademischen Tanzes und hundertprozentiges Exzellenzmaterial.
Siegal demontiert und remontiert hier die Register des klassischen Balletts, der elaboriertesten Körpertechnik, die der Okzident ersonnen hat. Kanonische Bewegungsformeln werden zitiert und zerlegt, mit neuen Akzenten versehen und ins Zeitgenössische umgeschmolzen. So verwandeln sich vertraute Port de bras in fremdartige Gebilde und reisen schlagartig von 1800 nach 2023. Sprünge erfolgen mit athletischer Schubkraft, Drehungen rotieren in irrwitzigen Dauerschleifen, und eine Arabesque ist nur die Einleitung einer Fortissimo-Sequenz statt wie gehabt ...
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Tanz Mai 2023
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Dorion Weickmann
Ein Wiegen, Schwimmen, Schweben. In Wubkje Kuindersmas «Resonance of Dreams» verwandelt sich das Kieler Ballettensemble in einen Schwarm, der sich zu den Klängen von Friedrich Heinrich Kern, Georgs Pelēcis, Alfred Schnittke und Pēteris Vasks organisch bewegt, mal synchron, mal bewusst gegenläufig, ein einziges An- und Abschwellen, vor dem Marina Kadyrkulova...
Erik Bruhn prize
STUTTGARTER TRIUMPH
Gleich doppelt hat das Stuttgarter Ballett beim renommierten «Erik Bruhn Prize» in Toronto gepunktet: Die erst 20-jährige Solistin Mackenzie Brown ging als «Best female dancer» aus den Ausscheidungen hervor, bei den Männern trug Daichi Ikarashi vom Royal Ballet London den Sieg davon. Derweil überzeugte Roman Novitzky, Artist in...
Bei der Arbeit an «Coppélia» war für Edward Clug eines ganz klar: «Pretty was not enough for me», sagt der Choreograf. Entsprechend ist sein Ballett zwar grazil und elegant, nimmt im zweiten Akt aber einen unerwartet dramatischen Verlauf. Clug unterstreicht damit die spannungsvolle Beziehung zwischen dem klassischen Handlungsballett und moderner Robotik. Mit...
