richard cragun
Dreifache Tours en l’air über die Köpfe der anderen hinweg zu zirkeln, um sich wenig später schmerzhaft auf die Füße treten zu lassen: das muss einer erst mal hinkriegen. Richard Craguns Petrucchio konnte das – und noch viel mehr: Um die Schadenfreude seiner Katharina (alias Márcia Haydée) abzukürzen, holte er sie schlagartig von den Beinen.
So etwas hatte sich bis dahin noch keiner im Ballett erlaubt, und deshalb musste Cragun, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, «Der Widerspenstigen Zähmung» an die 400-mal spielen, bis auch der letzte Zuschauer die Genialität dieses Gags begriffen hatte: eine Tanzszene, die längst Geschichte ist, und doch mehr Gegenwart als je zuvor.
In die Annalen des Balletts hat Richard Cragun sich schon lange eingeschrieben. Mehr als fünfzig Uraufführungen verzeichnet das «International Dictionary of Ballet» für ihn allein bis 1992. Bis zu seinem Bühnenabschied vier Jahre später dürften es noch einige mehr geworden sein. Kein Baryshnikov, nicht einmal Nurejew, um nur seine beiden prominentesten Zeitgenossen zu nennen, konnte mit dieser Produktivität Schritt halten. Auch wenn sich nicht alle Choreografien dem Publikum dauerhaft eingeprägt haben mögen, ...
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Tanz Oktober 2012
Rubrik: menschen, Seite 16
von Hartmut Regitz
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newcomer_________
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tanzt wunderschön, sie stolpert, stürzt, knallt auf die Bühne. Mit schmerzverzerrtem Gesicht unter ihrer Marilyn-Monroe-Perücke robbt sie sich an die Bühnenkante, fällt ihrem Publikum zu Füßen, kriecht zu einem Rollstuhl im Parkett, hievt sich hinein. Ihr Wille befiehlt sie zurück auf die Bühne. Vom Rollstuhl aus erklimmt sie...
