Richard Cragun hat die Nase voll
«Die Arbeitsbedingungen am Teatro Municipal in Rio de Janeiro waren zuletzt so unerträglich, dass ich nach zwei Jahren meine Tätigkeit eingestellt habe.» Der einstige Starsolist des Stuttgarter Balletts und nachmalige Ballettdirektor der Deutschen Oper Berlin hat nun die Konsequenzen aus einer Situation gezogen, die eine kreative Entwicklung des Ballettensembles verhindert habe. Ohne eigenen Etat, berichtet er, war eine langfristige Planung unmöglich.
«Bis zum Tag der Wiederaufnahme stand die Finanzierung von Ashtons ‹La Fille mal gardée›, mein letzter großer Ballettabend, auf wackligen Beinen – und fand nur deshalb statt, weil ein geplanter Balanchine-Abend angeblich zu teuer war. Sie können sich vorstellen, wie solches Gebaren schadet.»
Das andere Problem waren einige Tänzer: Während er als Koordinator ohne vertragliche Absicherung gearbeitet hat, d. h. auch nicht mit seiner Kündigung drohen konnte, sind sie alle quasi verbeamtet. Zum Großteil überaltert, einer von ihnen ist sogar 68, widersetzten sie sich jeder Neuerung. So ist Cragun doppelt stolz, dem Haus Aufführungen wie Crankos «Onegin», Tetleys «Voluntaries» oder die «Siebte Sinfonie» von Uwe Scholz abgetrotzt zu haben.
Cra ...
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