(repräsen)TANZ zeigen verboten?
Wir gehen ins Theater. Die Bühne: dunkel, lediglich befunzelt von kleinen Taschenlampen, die das Publikum beim Einlass in die Hand gedrückt bekommt. Auf der Bühne: graue, vermummte, lemurenhafte Gestalten. Das Stück heißt «Ohne Titel». Autor unbekannt, die Tänzer sind es ebenfalls. Solche «Geheimnisse» machen neugierig. Im Vorfeld viel Spekulation, wer der Schöpfer dieses Projekts sein könnte. Es gibt keine inhaltliche Vorabinformation, der Programmzettel ist demonstrativ weiß und leer. Was wird gezeigt? Fast nichts.
Viel Nebel, immer wieder schemenhafte Gestalten, die sich wenig bewegen.
Beinah wie optische Täuschungen. Menschen und gleich gekleidete, gleich gewichtige Puppen sind kaum voneinander zu unterscheiden. Am Schluss: Rhythmische Musik, drum’n’ bass, dazu eine Puppe (oder doch ein Mensch?), die an Fäden hin und her gezogen wird. Dann, endlich, entblättert einer der Performer sein Gesicht und setzt sich ins Publikum, um die Diskussion zu leiten. Augenblicklich setzt eine heftige Debatte ein, streng polarisierend. Theater müsse zumindest irgendeine Form von sozialem Austausch bieten. Oder wenigstens etwas präsentieren – wenn schon nicht repräsentieren. Selbst diesen ...
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Tanz Dezember 2005
Rubrik: Körper, Seite 22
von Susanne Foellmer, Pieter T’Jonck, Arnd Wesemann
Er war ein Latin Lover, wie ihn sich eine Julia wünscht, und ein begnadeter Ballerino obendrein, für den das Tanzen eine Existenzfrage war. Fernando Bujones, 1955 in Miami als Sohn kubanischer Eltern geboren, tanzte so schwerelos und mit einer schier unfassbaren Eleganz, dass man seinem scheinbar so selbstverliebten Statement «Baryshnikov hat den Ruhm, ich das...
Ein Begräbniszug überquert in Urs Dietrichs neuer Choreografie «Flacon» die Bühne des Bremer Schauspielhauses. Zwei Trippelschritte vor, einer zurück. Die verschleierten Frauen in schwarzen Roben scheinen auf der Stelle zu treten – genau wie die Politiker mit ihrer Hinhaltetaktik in der Bremer Theaterkrise. Das Bild ist deutlich: Als ob mit dem Trauerspuk das...
Werner Schroeter
war ein Star, einer der Motoren des kollektiven Coming-out: Die Party hob in den 1970ern an, sie war ein Segen, ein Karneval der Kulturen quer zu allen alten Zuweisungen des Geschlechts, der Herkunft, der sozialen Unterschiede. In Cliquen wie Schroeters erfanden sich die, die «anders» waren, in den alten Uniformen eine neue, ihre eigene Identität....
