rennes: Sidi Larbi Cherkaoui: «Puz/zle»

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Der Kerl wird immer gewiefter. Sidi Larbi Cherkaoui wurde nicht müde, vor und nach der Uraufführung von «Puz/zle» überall zu erzählen, wie sehr ihn die Carrière de Boulbon zu seinem neuen Stück inspiriert habe, ein vom «Festival d’Avignon» in den Status des Kunstschreins erhobener Steinbruch. Da fährt man also die 15 Kilometer mit der Busflotte des Festivals, um festzustellen, dass Cherkaoui seine Tänzer zu Baumeistern und Bildhauern gemacht hat. Sie stapeln, tragen, montieren oder demontieren ganze Tempel.

Dabei soll der Betrachter denken, die Bauteile seien aus Stein, aber im Steinbruch zeigt sich sogleich, dass es sich um schlichte Holzattrappen handelt. Auch Cherkaoui ist nicht ganz zufrieden: «Wir suchen noch nach dem richtigen Anstrich, damit es echter aussieht.»

Während der Tournee von «Puz/zle» über Europas Bühnen wird die Illusion gewiss funktionieren. Die Spektralmaschinerie des Theaterlichts erzeugt schließlich ohne Weiteres den Glanz von Marmorblöcken, und der willige Zuschauer wird sich entsprechend auf Rom oder Athen einstellen. Ganz so hehr ist die antike Assoziation freilich nicht. Denn zu Beginn findet eine Art Steinigung statt. Alle tragen schwarze Kostüme und ...

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Tanz Oktober 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Thomas Hahn

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