Reenactments

Mary Wigman oder Yvonne Rainer zu reanimieren, ist sehr in Mode. Dabei will man sich möglichst fern von den Rekonstruktionen des Balletts halten und nennt das Ganze Reenactment. Arnd Wesemann über einen Boom von Publikationen zu diesem Thema

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Woran Menschen sich gern erinnern, sind die glücklichen Höhepunkte, eine Hochzeit, eine Geburt. Hier darf nie eine Maschine fehlen, die aus dem bewegenden Ereignis die Ikone formt: die Kamera. Das daraus gelöschte Bild soll auch aus dem Gedächntnis verschwinden. Die Bilder, die man herumschickt, repräsentieren ein Ideal, das an die Stelle des flüchtigen Ereignisses treten soll. Das ist im Tanz nicht anders. Es wimmelt nur so von idealen Bildern, die von Filmleuten, Fotografen und Choreografen rigoros selektiert wurden. Nach der Feier des Tanzereignisses kommen sie: ins Archiv.

  


Das Archiv, als kulturelles Gedächtnis, ist kein Hort von Schnappschüssen, sondern eine Sammlung bereits für die Nachwelt inszenierter und zensierter Zeugnisse. Schon die alte Tanzfotografie fand selbstverständlich im Studio statt, auch die neue Tanzfotografie produziert den «Hingucker». Selten findet man im Archiv, was nicht mit Absicht zur Aufbewahrung ausgewählt wurde, ausgenommen Tanzaufzeichnungen, gedacht zur Wiederaufnahme, als Handwerkszeug wie die Leisten des Schusters. Das ist, was bleibt, wenn man einen Tanz rekonstruieren will. Aber was meint Reenactment, das große Wort, das gerade überall be- ...

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Tanz November 2009
Rubrik: Tanzgeschichten, Seite 18
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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