«Rebound»
Hartes Gegenlicht durchschneidet den Raum. Aus unwirtlichen Wind- und Wassergeräuschen kristallisieren sich Fragmente der Kantate «Helgoland». Während der Repetitor Bruno Raco in Tasten und Saiten greift und das Klangmonument Anton Bruckners am Flügel intelligent zerlegt, schickt Pascal Touzeau sein Ensemble im Dunkel der Bühne auf Entdeckungstour. 15 Tänzer in marineblauen Rollis zeigen Not und Rettung von Ertrinkenden. Figuren sacken ab, als würden ihre Beine im Schlick versinken.
Sie schlingern im Sturm oder unter Wasser, greifen zu pendelnden Leuchten, die als Nebel- und Suchscheinwerfer zu Partnern werden. Staccatoartige Presto-Abfolgen auf neoklassischer Basis charakterisieren «hell.land», eine von zwei Uraufführungen.
In «Rebound», seinem zweiten Abend am Mainzer Staatstheater, präsentiert der neue Ballettchef gleich fünf Werke. Neben drei Eigenschöpfungen holte er Marc Spradling aus Frankfurt und Rafael Bonachela aus London mit ins Boot. Spradling begnügt sich in «8 Duos for Two Dancers» mit einer gefälligen Reminiszenz an neoklassische Duette, Bonachela zeigt unter dem kryptischen Titel «E2 7SD», was ein Geschlechterkampf «made in England» ist: sportives Fairplay auf ...
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Sie sind beide über 40 und haben alles längst erreicht: Respekt, fraglose Anerkennung, den Status als Pioniere des Tanzes: Jérôme Bel und Anne Teresa De Keersmaeker, der Franzose und die Belgierin, die je für sich das Solo neu erfanden. Nun, in «3Abschied», geht es um Gustav Mahlers «Lied von der
Erde», das De Keersmaeker schon 2007 in «Keeping Still – Part 1»...
Ai Weiwei, sein erstes Ballett
So sorry. Tschuldigung. Diese kostbare Vase aus der chinesischen Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) hat er einfach fallen lassen: Ai Weiwei. Auch nimmt der chinesische Baumeister gern Möbel aus der Ming-Zeit (1368–1644) auseinander und fügt sie zu völlig neuen Kunstgebilden zusammen. Im Moment hängt gerade der Himmel über dem...
Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als eine Tanzveranstalterin sich ein Herz fasste, ein DIN-A4-Papier aus der Tasche zog und es ehrfürchtig unter dem Tisch hergab. «Das sind sie», flüsterte sie. Der Zettel notierte elf Produktionen und damals 48 Namen. Diese Produktionen seien zur Tanzplattform 2010 eingeladen. Die Namen, die noch auf 50 erhöht würden, seien...
