Rafaële Giovanola «Hybridity»
Hybrid, den Begriff mag man vor lauter Hype nicht mehr hören. Fantasiert man sich noch Hydro und Hybris dazu, hat man die Fische vor Augen, die vor Urzeiten an Land krochen. «Hybridity» also nennt die Bonner Company CocoonDance, die im Theater im Ballsaal residiert, häufig mit dem Theater im Schweizer Monthey kooperiert und viel tourt, eines ihrer neuen Stücke. Es schließt, gemäß seiner altsprachlichen Betitelung an «Momentum» und «Vis Motrix» an, das wummernde Männertrio und das wunderlich zu ebener Erde verkrampfte Frauenquartett.
Tatsächlich wirkt es, als seien die insektoiden Wesen aus «Vis Motrix» von horizontal auf vertikal geklappt worden. Sie stehen nun auf zwei Beinen statt auf vieren. Was passiert dann mit den Vorderbeinchen? Sie sind das Geheimnis oder der evolutionäre Irrweg hier, der (ein wenig) vorhersehbare Witz, der sich am Ende entfaltet.
Hart beleuchtet, soft benebelt erscheint der wie aus Stein gehauene Tänzerpulk in der hinteren Bühnenecke, schiebt sich entsprechend sehr langsam in den Raum. Es zittern und knicken die Knie. Kleine Ausschläge, Klicks, Kicks. Auch die Füße, mal flach, mal mit erhobenen Fersen, regen sich und transportieren die Körper, erst als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2021
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Melanie Suchy
Mit diesem Statement hoffen wir, die Tänzerinnen und Tänzer des Mecklenburgischen Staatstheaters, das öffentliche Bewusstsein für die Lebensrealität von Tänzerinnen und Tänzern in Deutschland zu schärfen und aufzuzeigen, was es bedeutet, in Deutschland als Tänzer bzw. Tänzerin quasi komplett ersetzbar zu sein.
Wie Millionen anderer Menschen weltweit haben wir im...
Xenia Wiest, was ist aus Ihrer Sicht wichtig daran, dass Sie ein Revirement vornehmen können?
Als neue Ballettdirektorin am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin habe ich von der neuen Theaterleitung den Auftrag erhalten, die Sparte künstlerisch neu auszurichten. Das klassische Ballett soll gestärkt werden und modern ins 21. Jahrhundert weisen. Dafür stehe...
Buch
WIENER MODERNE
lys X. George, Germanistin mit Sitz New York, hat die Alte Welt zur Zeit der Jahrhundertwende begutachtet und ein Buch geschrieben, das den ebenso fetischisierten wie tabuisierten Körper zum Epizentrum des Aufbruchs macht: «The Naked Truth: Viennese Modernism and the Body» ist ein Glücksfall. Selten ist wissenschaftliche Literatur derart gut...
