Radikal frei

Von einer, die auszog, die Klassiker umzukrempeln: Die südafrikanische Tänzerin und Choreografin Dada Masilo verpasst westlichen und afrikanischen Traditionen eine radikale Frischzellenkur und geht dabei über Genre-Grenzen. Nicht weil sie schockieren will, sondern aus Liebe.

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Nach einer «Swan Lake»-Vorstellung in Pittsburgh/Pennsylvania trat ein verstimmter Zuschauer an Dada Masilo heran und machte seinem Ärger darüber Luft, dass ihre Interpreta-tion die traditionelle Lesart des Ballettklassikers verunstaltet habe. Masilo reagierte verdutzt. «Hat der Herr sich denn vorher nicht das Plakat angeschaut? Die Tänzerinnen und Tänzer tragen keine Schuhe, dafür Federschmuck auf dem Kopf, die Männer Tutus.

Er hätte doch wissen müssen, dass das hier kein konventionelles Ballett ist», findet die zierliche südafrikanische Choreografin und Tänzerin, die im Juli beim Berliner Festival «Foreign Affairs» gemeinsam mit ihrem Landsmann William Kentridge in dessen multimedialer Kammeroper «Refuse the Hour» aufgetreten ist.

Wer Dada Masilos Repertoire kennt, braucht nicht erst auf Plakate zu schauen, um zu erfahren, dass sie klassische Ballettwerke gründlich umkrempelt: Shakespeares «Hamlet» beispielsweise hat sie neuinterpretiert, indem sie in «The Bitter End of Rosemary» die Geschichte aus der Perspektive Ophelias erzählt. In ihrer «Romeo and Juliet»-Fassung besetzt sie die Figur des Tybalt mit einer Frau, und ihre «Carmen»-Deutung wartet mit einer verstörenden ...

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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 102
von Mary Corrigall

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