Queere Lust

Jeroen Verbruggen entstaubt «La Fille mal gardée» mit dem Basler Ballett – leichthändig und leichtfüßig.

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Dem Ballettklassiker «La Fille mal gardée» kann man beim besten Willen keine tiefere Bedeutung nachsagen. Das älteste Handlungsballett, das bis heute in unterschiedlichen Versionen aufgeführt wird, ist rein komödiantischer Stoff. Obwohl im Revolutionsjahr 1789 uraufgeführt, hat das Libretto nichts Revolutionäres an sich, sieht man mal davon ab, dass das auftretende Personal nicht dem Adel oder der mythischen Götterwelt entstammt, wie es bis dahin üblich war, sondern dem einfachen Volk.

Mit dem realen Leben und den Mühen des bäuerlichen Alltags hat das romantische Schäferidyll allerdings nichts zu tun. Es geht im Kern um Heiratsangelegenheiten, um eine gewitzte Tochter, die ihre Mutter an der Nase herumführt und letztlich ihren Willen durchsetzt. Lise heiratet ihren geliebten Colas – zwar arm, dafür charmant –, und nicht wie vorgesehen den Sohn eines wohlhabenden Winzers.

Die Selbstbehauptung einer jungen Frau, der Sieg der Liebe über das liebe Geld – das versprühte zur Zeit der Uraufführung vielleicht einen Anflug revolutionären Geistes. Auf ein heutiges Publikum wirkt das Ballett-Libretto verstaubt, und der Humor verschroben. Mit dem 36-jährigen belgischen Choreografen Jeroen ...

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Tanz Januar 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Maya Künzler

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