Porto on tour: Marlene Monteiro Freitas «Mal – embriaguez divina»
Geschlagene 15 Minuten Applaus. Nicht schlecht für eine zeitgenössische Kompanie, die mit tief violetten Handschuhen in Dreierreihen hintereinander auf treppenförmigen Schulbänken über sich selbst zu Gericht sitzt. Die Bühne ist von Netzen umrahmt, ein Volleyballfeld, aus dem ein Soldat mit Maschinenpistole heraustritt. Eine Frau überspannt danach einen unsichtbaren Bogen. Vom Band ist eine hysterische Filmfolterszene zu hören, in der ein Mann immerzu «Look at me» schreit. Ein Traum, was sonst.
Auf der obersten Etage der letzten Schulbankreihe thront beinlos die Königin mit Papierkrone, trägt eine Brille aus Papier. Rechts legt ein Mann ein Manuskript in seinen Nacken, so schwer, dass sein Haupt untertänig gebeugt wird. Das stumme Bild der neun Tanzenden, das sich für die nächsten 90 Minuten unablässig minimal verschiebt, erinnert unweigerlich an den polnischen Avantgardisten Tadeusz Kantor (1915 – 1990), dessen Hauptwerk, «Die tote Klasse», aus vier aufsteigenden Schulbänken und acht Schülern bestand – aus Performern mit jener von Marlene Monteiro Freitas wiederholten Fähigkeit, wie Skulpturen zu wirken und dabei Meisterinnen der Mimik zu sein, die als gestische Maschinen eine ...
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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann
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Es ist durchaus eine Überraschung, vor allem für ihn selbst: Der «Deutsche Tanzpreis 2020» geht an Raimund Hoghe! «Vor einigen Jahren war ich schon mal nominiert, aber dieses Mal wusste ich im Voraus wirklich nichts davon», sagt er. Freut er sich, weil er hier sozusagen in die Fußstapfen Pina Bauschs tritt, deren Dramaturg er fast ein Jahrzehnt – von «1980» bis...
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