Pina, die Tänzerin
Ich besuchte die Folkwang-Schule von 1957 bis 1960. Pina studierte im Jahrgang über mir. Der Unterricht bestand zur Hälfte aus Klassik, die wir meistens «en dehors» tanzten. Pina nahm auch an der Meisterklasse für abstrakte Choreografie teil. Was sie als Tänzerin auszeichnete, war das vollkommene Aufgehen im Raum, wie es entsteht, wenn man die Technik von Kurt Jooss vollständig verinnerlicht. Ich meine den Fluss von Energie und Bewegung von einem Gelenk zum anderen, sodass der Körper auf der Bühne sehr lebendig wirkt.
Da-rin war sie meisterlich, sie war die Jooss-Schülerin schlechthin. Ein einziges Mal stand ich mit ihr gemeinsam auf der Bühne, in der Jooss-Inszenierung von Purcells «The Fairy Queen» in Schwetzingen, auf dieser letzten Renaissance-Bühne mit ihren fünfzig Metern Tiefe. Wenn Pina in Jooss’ Choreografien tanzte, blühte sie auf. Im Leben war sie eher melancholisch. Wer weiß, vielleicht gab Jooss ihr deshalb im «Grünen Tisch» die Rolle des Mädchens, dessen Liebhaber in den Krieg ziehen muss. Ich hatte ihr immer gewünscht, dass sie mehr Freude am Leben finden möge. Die Schule spannte uns zu sehr ein, bis an die körperlichen und psychischen Grenzen. Manchmal, wenn wir ...
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