Philipp Contag-Lada
Was treibt Ballettdirektoren dazu, für ein, zwei vakante Stellen großangelegte Auditions auszuschreiben und so mit den Hoffnungen junger Tänzer zu spielen? Den Hunderten Anwärtern, die nach der ersten Runde eines Vortanzens in Theaterkantinen ihre Tränen mit einem schwarzen Kaffee herunterschlucken, ist es vermutlich kein Trost, dass «die Szene nun einmal so ist».
Offenbar ist ja die Tänzer-Persönlichkeit ein nicht unerheblicher Teil des Bühnenerlebnisses. Überdies erwirbt sich eine Kompanie ihren Ruf über Jahre durch konsistent kontinuierliche Arbeit.
Wenn es also so wichtig ist, aufwändig den Richtigen zu finden – was wäre da naheliegender, als so einen Tänzer auch halten zu wollen?
Ein paar Beispiele sprechen für langjährige Arbeits- und Vertrauensverhältnisse. Stuttgart mit seiner John Cranko-Schule und einem breit angelegten Eleven-Programm dürfte als hochklassige Kompanie wohl ebenso wenig in Frage stehen wie Wuppertal oder München.
Von Havarien wie dem Weggang des halben Ensembles einmal abgesehen, sollte es für einen erfahrenen und weltoffenen Choreografen kein Problem darstellen, eine frei werdende Tänzerstelle aus dem Kopf zu besetzen. Wer reist, die Ensembles anderer Häuser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Draußen vor den großen Sichtfenstern fegt der Wind und weint der Himmel, drinnen im Project Space der Kunsthalle Wien ist es unheimlich warm. Aus Lautsprecherboxen quäkt Hitlers Stimme eine Hetzrede gegen das Judentum. Das Publikum schwitzt ein wenig, während der südafrikanische Performer Steven Cohen mit zwei phallischen Miniaturkameras seinen Körper untersucht....
Tanzend hat sich Mozart fünfjährig erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, im Ballett zu einem lateinischen Ordensdrama, das auf der Bühne des Salzburger Universitätstheaters im September 1761 aufgeführt wurde. Der Tanz sollte Mozart bis in das letzte Lebensjahr begleiten, weil er seit 1787 als kaiserlicher «Hofkammerkompositeur» für die Tanzmusik der Hofbälle...
Who the fuck is Mozart?
nennt Sergei Vanaev seinen Mozart-Beitrag tatsächlich. So ganz dämlich ist die Frage vielleicht nicht. Der Choreograf in Bremerhaven denkt wohl manchmal auch: Where the fuck is Bremerhaven? Denn selbst dann ist man noch nicht am Ziel- und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wenn es um die Salzburger Wunderkind-Feier des Jahres 2006 geht....
