Mario Schröder: «Das Schloss»
«Folgen Sie dem weißen Pfeil!» Barsche Kommandos empfangen den Besucher im Kieler Opernhaus zu Mario Schröders von Kafka inspirierter Tanzerzählung «Das Schloss». Gehorsam tappt der Zuschauer ins Gänge-Labyrinth hinter die Bühne, wo ihn Registratoren mit gezücktem Bleistift erwarten.
Blitzlicht blendet die Augen.
Nach der Farbe befragt, stolpert er weiter durchs Halbdunkel, findet mit der beruhigenden Einsicht zurück ins Foyer: Die «Einwohnermeldeamt»-Methoden von anno dunnemal haben sich mit Sicherheit verschärft, seitdem die Kontrollbehörden elektronische Datenerfassung infam als freundliches Service-Angebot für den Bürger tarnen, um ihn desto gründlicher durchleuchten und abspeichern zu können.
Schröder hat dafür im beklemmenden, doch auch ironisch satirischen Stück über die totale Kontrolle ein frappierend einleuchtendes Bild gefunden: In strahlend blauen knisternden Kunststoffanzügen umspringt die uniforme Gruppe bedrohlich das einzige Menschenwesen und droht es aufzusaugen. Anne-Marie Warburton rennt gegen die Phalanx an, sucht sich ihr zu entziehen und unterliegt zum «Lacrimosa» von Bach. Die Tänzer schlüpfen aus Sönke Müllers Kostümen, die wie leere Insektenpanzer stehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Juliette Mapp is a dancer, teacher and choreographer based in NYC. She has danced in the companies of Pat Graney, Neil Greenberg, Stephanie Skura, Deborah Hay and John Jasperse, for which she received a New York Dance and Performance Award “Bessie” for outstanding artistic achievment in 2002. Juliette has taught technique, improvisation and composition...
When Tommi Kitti begins performing, he walks to the stage like a flamenco dancer – to set the mood with improvised movement. His music is obviously not flamenco, his song isn‘t cante jondo, for he is a bluesman, whose movements are engaged in a dynamic dialogue with John Lee Hooker. “White negro,“ “the only blues-dancing Samean,“ these are only two of the terms...
Wieso kommt ein kanadischer Choreograf nach Nürnberg, in die deutsche Stadt, in der man, wenn man kann, am behaglichsten lebt? Will er uns Dantes Purgatorium, will er das Fegefeuer zeigen? In der Spielzeughauptstadt, Lebkuchen- und Christkindlmetropole, der süffigsten Wein- und Bierschwemme Deutschlands? Für André Gingras, der mit seinem zierlichen Vollbart wirkt...
