Mario Schröder: «Das Schloss»
«Folgen Sie dem weißen Pfeil!» Barsche Kommandos empfangen den Besucher im Kieler Opernhaus zu Mario Schröders von Kafka inspirierter Tanzerzählung «Das Schloss». Gehorsam tappt der Zuschauer ins Gänge-Labyrinth hinter die Bühne, wo ihn Registratoren mit gezücktem Bleistift erwarten.
Blitzlicht blendet die Augen.
Nach der Farbe befragt, stolpert er weiter durchs Halbdunkel, findet mit der beruhigenden Einsicht zurück ins Foyer: Die «Einwohnermeldeamt»-Methoden von anno dunnemal haben sich mit Sicherheit verschärft, seitdem die Kontrollbehörden elektronische Datenerfassung infam als freundliches Service-Angebot für den Bürger tarnen, um ihn desto gründlicher durchleuchten und abspeichern zu können.
Schröder hat dafür im beklemmenden, doch auch ironisch satirischen Stück über die totale Kontrolle ein frappierend einleuchtendes Bild gefunden: In strahlend blauen knisternden Kunststoffanzügen umspringt die uniforme Gruppe bedrohlich das einzige Menschenwesen und droht es aufzusaugen. Anne-Marie Warburton rennt gegen die Phalanx an, sucht sich ihr zu entziehen und unterliegt zum «Lacrimosa» von Bach. Die Tänzer schlüpfen aus Sönke Müllers Kostümen, die wie leere Insektenpanzer stehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
The intimate universe of Ginette Laurin and her seven O Vertigo dancers is on view for the entire world to see. Because the world premiere of “ANGELs” represents a departure for the Montréal-based choreographer who since the start of her prolific career has solidified her reputation on the international stage with her poetic, physically dynamic dances. In truth,...
Zwei Schäferinnen bestrafen Amor – und alles wird gut. Der Schalk hatte beide sich in eine Dame verlieben lassen – aus Rache, eingesperrt worden zu sein. Er war so frei und hatte selbst eine Vogelschar aus ihrer Voliere entlassen. Das höfische Spiel von Liebe und Verführung, es spielt sich auf der Weide umso leichter. Das Schäferstündchen namens «Les petits riens»...
Bei den Finalszenen «Bongo Bongo Nageela» und «Mr. Pnut goes to the big top» reibt sich der William-Forsythe-Habitué verwundert die Augen: Hatte das Ballett Frankfurt 1988, als es Impressing the Czar aus der Taufe hob, wirklich so viele Tänzer, wie sie jetzt einheitlich in amerikanischen Schulmädchen-Uniformen und mit Pagenperücken das Königliche Ballett von...
