Mario Schröder: «Das Schloss»
«Folgen Sie dem weißen Pfeil!» Barsche Kommandos empfangen den Besucher im Kieler Opernhaus zu Mario Schröders von Kafka inspirierter Tanzerzählung «Das Schloss». Gehorsam tappt der Zuschauer ins Gänge-Labyrinth hinter die Bühne, wo ihn Registratoren mit gezücktem Bleistift erwarten.
Blitzlicht blendet die Augen.
Nach der Farbe befragt, stolpert er weiter durchs Halbdunkel, findet mit der beruhigenden Einsicht zurück ins Foyer: Die «Einwohnermeldeamt»-Methoden von anno dunnemal haben sich mit Sicherheit verschärft, seitdem die Kontrollbehörden elektronische Datenerfassung infam als freundliches Service-Angebot für den Bürger tarnen, um ihn desto gründlicher durchleuchten und abspeichern zu können.
Schröder hat dafür im beklemmenden, doch auch ironisch satirischen Stück über die totale Kontrolle ein frappierend einleuchtendes Bild gefunden: In strahlend blauen knisternden Kunststoffanzügen umspringt die uniforme Gruppe bedrohlich das einzige Menschenwesen und droht es aufzusaugen. Anne-Marie Warburton rennt gegen die Phalanx an, sucht sich ihr zu entziehen und unterliegt zum «Lacrimosa» von Bach. Die Tänzer schlüpfen aus Sönke Müllers Kostümen, die wie leere Insektenpanzer stehen ...
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