Peter-Pan-Syndrom
Es ist kurz vor 14 Uhr an einem regnerischen Mittwoch im New Yorker Theater District. Lange Schlangen stehen vor dem Neil Simon Theatre, in wenigen Minuten beginnt die Vorstellung. Wie im Flughafen gibt es Sicherheitsschleusen, Körpertemperaturen werden gemessen, Impfausweise geprüft und Tickets gescannt; Masken sind Pflicht. Im Theater füllen sich die Ränge, die Vorstellung ist gut verkauft. Auch die Bühne wird nach und nach bevölkert: Sie zeigt einen großen Raum mit hohen Fenstern und Tanzboden, ein Probenstudio.
Langsam trudeln die Tänzer und Musiker ein, ein Bodyguard im schwarzen Anzug überprüft die Örtlichkeiten, der Regieassistent verkündet: «Noch fünf Minuten!» Und dann ist es soweit: Michael Jackson betritt den Raum. Mit Fedora, weißem Hemd, zu kurzen, schwarzen Hosen, weißen Socken und schwarzen Schuhen. Der Rhythmus von «Beat It» wird angezählt, und Regisseur und Choreograf Christopher Wheeldon lässt alle ikonischen Moves des Popidols schon in der Eröffnungsnummer auffahren: den Moonwalk, die abgehackten Bewegungen, die angezuckten Schultern, der Griff in den Schritt, die Spins und Kicks. Große Teile des Publikums klatschen bereits begeistert – für viele scheint klar zu ...
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Tanz März 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 22
von Andreas Robertz
Stuttgart
THE SEVEN SINS
Das Cleverle des deutschen Tanzes war mal wieder am Werk. Hat sein Handy gezückt, die Kontakte gescannt, und sie alle angerufen: Aszure Barton, Sidi Larbi Cherkaoui, Sharon Eyal, Marcos Morau, Sasha Waltz sowie seine beiden Artists in Residence Marco Goecke und Hofesh Shechter. Und dann wurde gleich noch Arte kontaktet: «Okay Leute, ich hab...
Lächeln! «Hallo Frankfurt, ist das nicht toll so, live, und die Tänzerinnen und Tänzer sind in Brüssel und an mehreren Orten der Philippinen!», begeistert sich Eisa Jocson in ihrer Ansprache ans Publikum im Theater in der interaktiven Phase der «disembodied performance», wie sie den Abend nennt. Entkörperlicht. Die Choreografin und Tänzerin schaut, falls man ihr...
Es ist ihr Abschiedsgeschenk an die Kompanie, die sie in den vergangenen neun Jahren geleitet hat: Tamara Rojos Bearbeitung von Marius Petipas «Raymonda»-Choreografie, uraufgeführt 1898 zur ersten Ballett-Komposition Alexander Glasunows. Seit 1964 hat keine britische Ballettkompanie das Werk in voller Länge aufgeführt; entsprechend gründlich hat Rojo ihr...
