Paris: Jérôme Bel «Isadora Duncan»

Ihre Autobiografie erschien posthum. Schonungslos beschrieb sie darin die Folgen eines traumatischen Ereignisses: «Auch wenn man zu leben scheint, so gibt es doch eine Trauer, die tötet. Man kann seinen Körper zwar noch … über die Erde schleppen, aber die Lebensgeister sind erloschen – für immer.» 1913 ertranken Isadora Duncans Kinder in der Seine. Jahre später choreografierte sie den Schicksalsschlag – mit «Mother» zu Skrjabins Etüde op.2, cis-Moll.

Unlängst hat Damien Manivel das Solo für die Kinoleinwand adaptiert und damit den Regie-Leoparden beim Filmfestival von Locarno geholt. Dagegen bleibt der Choreograf Jérôme Bel dem Theater treu.

Eine Frau in fliederfarbener Tunika tritt auf die Bühne. Halblanges weißblondes Haar umrahmt ihr würdevoll ernstes Gesicht. Der Tanz hebt an, kreuzt diagonal die Szene. Die Frau scheint eine kleinere Gestalt an der Hand zu führen. Bisweilen wendet sie sich dem unsichtbaren Wesen zu, weist ihm die Richtung, liebevoll, entschieden. Am Ende des Weges kniet sie nieder, umfängt und wiegt das Geschöpf mit unendlicher Zärtlichkeit. Dann lässt sie es frei. Es kehrt wie von selbst in ihre Arme zurück. Mit geschlossenen Augen streicht die Frau über den ...

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Tanz Oktober 2019
Rubrik: Kritik, Seite 52
von Dorion Weickmann