Paris: «dbddbb»
Kinder erfinden ihre eigenen Regeln und Spiele, Rituale und Zeremonien. Sie sind per Definition heidnisch, frei und wild. Daniel Linehan, der sich seit seinem Solo «Not about everything» als einer der profundesten Denker der neuen Generation profilierte, hat es dabei verstanden, sich bei aller choreografisch-soziologischen Recherche auch einen Hauch Naivität zu bewahren. Dieser Frische, dieser kindlichen Unschuld lässt er nun in «dbddbb» freien Lauf.
Die fünf Tänzer, darunter Linehan als eine Art Häuptling, erfinden schräge, groteske Bewegungen, die sie mit imaginärer Bedeutung aufladen. So verwächst der verschworene Haufen zu einer fiktiven Stammesgruppe. Ihre Gesänge folgen Schemata aus traditionellen Kulturen, versuchen aber nicht, irgendeiner erkennbaren Vorlage zu entsprechen. Man wähnt sich eher in der Fantasie eines Raymond Roussel, der in seinem surrealistischen Roman «Eindrücke aus Afrika» einen imaginären rituellen Tanz, den Luenn’chétuz, beschreibt. Die Kostüme nehmen diesen Faden auf und spinnen ihn weiter, in asymmetrischen, absolut zweckfreien Konstruktionen und Mustern, so undefinierbar wie die Farbstriche in den Gesichtern der Interpreten: Marcus Baldemar, Anneleen ...
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Tanz Januar 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Thomas Hahn
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