Paris: «dbddbb»

Daniel Linehan: «dbddbb» in Paris

Tanz - Logo

Kinder erfinden ihre eigenen Regeln und Spiele, Rituale und Zeremonien. Sie sind per Definition heidnisch, frei und wild. Daniel Linehan, der sich seit seinem Solo «Not about everything» als einer der profundesten Denker der neuen Generation profilierte, hat es dabei verstanden, sich bei aller choreografisch-soziologischen Recherche auch einen Hauch Naivität zu bewahren. Dieser Frische, dieser kindlichen Unschuld lässt er nun in «dbddbb» freien Lauf.


Die fünf Tänzer, darunter Linehan als eine Art Häuptling, erfinden schräge, groteske Bewegungen, die sie mit imaginärer Bedeutung aufladen. So verwächst der verschworene Haufen zu einer fiktiven Stammesgruppe. Ihre Gesänge folgen Schemata aus traditionellen Kulturen, versuchen aber nicht, irgendeiner erkennbaren Vorlage zu entsprechen. Man wähnt sich eher in der Fantasie eines Raymond Roussel, der in seinem surrealistischen Roman «Eindrücke aus Afrika» einen imaginären rituellen Tanz, den Luenn’chétuz, beschreibt. Die Kostüme nehmen diesen Faden auf und spinnen ihn weiter, in asymmetrischen, absolut zweckfreien Konstruktionen und Mustern, so undefinierbar wie die Farbstriche in den Gesichtern der Interpreten: Marcus Baldemar, Anneleen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Ada

Verführerisch leicht, so sieht das Spiel aus, zu dem ADA einlädt. Mit den Fingerspitzen scheint es möglich, diesen mit Helium gefüllten Ballon zu bewegen. Wer nach den Kohlestiften greift, die wie Stacheln aus seiner transparenten Haut herausstehen, bekommt schwarze Hände. ADA leistet wenig Widerstand, schwebt hierhin, schwebt dorthin, hüpft hoch, senkt sich herab,...

Chemnitz: «Eugen Onegin»

Eben noch erblüht der Morgen in seiner ganzen Farbigkeit, da lässt ein Donnerschlag den Stimmungsumbruch ahnen. Nicht dass Onegin Tatjana einfach im Regen stehen ließe, dafür ist der Nobelmann aus Sankt Petersburg Kavalier genug. Aber im gleichen Maße, wie er lesend ihr Liebesgeständnis verinnerlicht, knickt ihr Körper ein – gefaltet und geplättet wie der Brief,...

Nicht Asche anbeten

Annette von Wangenheim, «Feuer bewahren – nicht Asche anbeten», Ihr Filmporträt von Martin Schläpfer, besticht durch einen Fluss ästhetischer, ruhiger Bilder. War das Herstellen auch so ein entspannter Hochgenuss?
Es war ein komplexes Projekt über vier Jahre. So einen Marathon durchzuhalten, bedeutet immer extreme Anstrengungen. Aber die Zusammenarbeit mit...