Gestorben
Eva Evdokimova tanzte die Giselle voll erlesener Poesie, formvollendet, hochmusikalisch, leichtfüßig und bei aller Fragilität von einer Fraulichkeit, als hätte der Geist der Romantik von ihrem Körper Besitz ergriffen. So debütierte 1970 die Genfer Tochter eines bulgarischen Vaters und einer amerikanischen Mutter 22-jährig an der Deutschen Oper in Berlin. Nur zwei Jahre später war sie Primaballerina.
Nach ihrem triumphalen Erfolg beim Ballettwettbewerb im bulgarischen Varna hatte sie ein Zusatzstudium in Leningrad aufgenommen und schuf damit die Voraussetzung ihres Virtuosentums, das sich nie in effekthascherischer Äußerlichkeit verlor. Durch ihr Dasein, schrieb Klaus Geitel, gab sie der «Rolle des Partners neue Wahrhaftigkeit», weshalb ihr so bedeutende Tänzer wie Erik Bruhn und Rudolf Nureyev zu Füßen lagen. Auch das Publikum machte aus seiner Bewunderung keinen Hehl. Auch in Crankos Choreografien kam ihr Charisma zum Tragen, in Balletten wie «Fräulein Julie» von Birgit Cullberg, «Pelléas und Mélisande» von Erich Walter, «Daphnis und Chloé» von Hans van Manen oder «Greening» von Glen Tetley. 1985 schied die Ballerina aus Berlin im Streit, weil sie ihre Sparte stiefmütterlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Haus ist mächtig. Wie mächtig, zeigte jetzt das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel. Zehn Jahre lang hat es der Architekt David Chipperfield geflickt. Im Herbst soll es aufgefüllt werden mit der Sammelwut unserer Vorfahren, die ihr Griechenland mit der Schaufel suchten und im von Napoleon eroberten Ägypten nach einer...
Was wie ein schlichtes Ferienhäuschen aussieht, das hier dem Bagger zum Opfer fällt, war seit 1961 das Sommerdomizil der Dresdner Tanzpädagogin Gret Palucca (1902–1993). Es stand bis zum 20. März etwas verkommen in Vitte auf der Insel Hiddensee. Die Bagger schoben alles zusammen, «hinterließen nur einen Schutthaufen», so die Augenzeugin und Geschäftsführerin der...
Monte Carlo
«Étonnez-moi», soll Sergei Diaghilev zu Jean Cocteau gesagt haben. Unter diesem Titel gibt es nicht nur im Neuen Nationalmuseum von Monaco, in den Räumen der Villa Sauber und im Sporting d’Hiver, eine Ausstellung zum Thema «Serge Diaghilew et les Ballets Russes». Jean-Christophe Maillot, Direktor der Ballets de Monte-Carlo, scheint selbst mit seinem...
