Olga de Soto

In «histoire(s)» (Erinnerungen an «Le jeune homme et la mort») konfrontiert Olga de Soto als Choreografin den Tanz mit einer mehr reflexiven Annäherung an den Tanz. Auf scheinbar einfache Weise erzählt dieses Stück alles über die Anziehungskraft von Tanz als Erinnerungsarbeit

Tanz - Logo

Tanzvorstellungen sind flüchtig. Jeder Tanzliebhaber weiß, dass Details eines Stücks manchmal schon nach einigen Stunden verflogen sind. Monate oder Jahre später bleibt auf dem Grund der Erinnerung oft nur der Bodensatz einer Stimmung, eines persönlichen Gefühls oder eines auffälligen Details. Natürlich halten Rezensionen und Betrachtungen etwas von dem fest, was auf der Bühne zu sehen war, aber auch das sind nur nachträgliche Interpretationen.

Sie spiegeln vor allem wider, was sich zwischen Bühne und Zuschauerraum abspielte, wie die Vorstellung auf den Zuschauer wirkte, und nicht, wie sie tatsächlich aufgebaut war. Sogar eine Videoaufnahme kann diese Wirklichkeit niemals wieder herstellen. Jede Aufzeichnung versetzt den Zuschauer in eine passive Rolle: Die Wahl von Blickrichtung oder Fokus geschah durch den Regisseur, sodass die Beteiligung am Film geringer ist als im Theater. Eine Aufzeichnung verändert auch die Art des Geschehens: ein Bild, aufgebaut aus Pixels, ersetzt lebendige Körper, mit all ihren unbestimmten, kleinen, aber so wichtigen Details. Das führt zu einem qualitativ anderen Sehverhalten. Und schließlich, der Eventcharakter einer Vorstellung ist verschwunden: als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2005
Rubrik: Forgotten Memories, Seite 32
von Pieter T’Jonck

Vergriffen
Weitere Beiträge
Obituary

The dance world has been deeply saddened by the loss of Ross Stretton, who died in his hometown of Melbourne, Australia, on June 16, from melanoma, a skin cancer. He was 53. Stretton began his career as a dancer: first with the Australian Ballet from 1973 to 1978, the Joffrey Ballet (1979) in New York, and then American Ballet Theatre (from 1980), having been...

Damenwahl

Montpellier Danse bot neben der Reihe «Le vif du sujet» erstmals den regionalen Kompanien eine Plattform. Höchstens dreißig Minuten, wenn nötig mit gekürzten Werken, hieß die Regel. Dass sich hier ein Pferdefuß versteckt, schwante den Kompanien gleich. Einige verweigerten sich der Amputation. Andere würfelten ihre Auszüge durcheinander. Die potenziellen Käufer der...

Japanese Tourist

Leave it to Jerome Robbins to hover authoritatively and artistically over New York City Ballet‘s 122nd season, even though the famed choreographer died nearly seven years ago. A scrupulous revival of his 1958, jazz-styled ballet “N.Y. Export: Opus Jazz,“ paled all of the competition making up the season‘s larger than usual influx, five all told, of new or newly...